21 Jun 19

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) verabschiedet heute eine neue Konvention gegen sexuelle Gewalt und Belästigung bei der Arbeit. In Zeiten von MeToo, Frauen*streik und weltweiten Kundgebungen für Frauenrechte setzt die ILO im Jahre ihres hundertjährigen Bestehens damit ein starkes Zeichen gegen Gewalt und Ausbeutung.

Es ist beinahe 10 Jahre her seit die ILO mit der Konvention 189 über menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte das letzte Mal ein internationales Instrument zum Schutz von Arbeitnehmenden verabschiedet hat. Wie andere ILO-Konventionen machte diese das Unsichtbare sichtbar. Es braucht diese Konvention der ILO damit Hausangestellte endlich als Arbeitnehmende mit Rechten wahrgenommen wurden.

Schutz auch für ArbeiterInnen in der informellen Wirtschaft

Die neue Konvention gegen Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt greift ein Thema auf, das ebenfalls gerne übersehen und verschwiegen wird. Zudem gibt es zurzeit keine allgemein akzeptierte Definition der Begriffe „Belästigung“ oder „Gewalt“ in der Welt der Arbeit und keine allgemeingültigen Standards. Die über 2 Jahre dauernden Verhandlungen verliefen harzig. Der aus über 500 VertreterInnen von Regierungen sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmenden-Organisationen bestehende Normensetzungsausschuss hatte die schwierige Aufgabe, ein Gleichgewicht zu finden zwischen einem detaillierten, aber schwer ratifizierbaren Konventionsentwurf und einem generischen, aber gegen Menschrechtsverletzungen weniger schlagkräftigen Text.Unter Jubel wurden deshalb diese Woche die letzten Anpassungen an der begleitenden Empfehlung verabschiedet. Damit haben sich Regierungen, Arbeitgeber- und Arbeitnehmende der Mitgliedsstaaten auf einen starken Text in der Konvention und der Empfehlung geeinigt. Er schliesst alle Arbeitnehmenden ein – auch jene in der informellen Wirtschaft. Abgedeckt werden auch häusliche Gewalt, die Auswirkungen auf den Arbeitsplatz hat. Speziell geschützt werden besonders verletzliche Personengruppen. 

Schweiz sollte Konvention zeitnah umsetzen

ILO-Konventionen werden jedoch erst verbindlich ist, wenn sie von den einzelnen Mitgliedsstaaten ratifiziert worden sind. Solidar Suisse erwartet, dass die Schweiz im Nachgang zum Frauen*streik, bei dem der Kampf gegen Gewalt und (sexuelle) Belästigung ein zentrales Thema war, die Konvention nun schnell und vorbehaltlos ratifiziert und damit zum Vorbild anderer Länder wird.

Quelle Text: SGB

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