Nehmen Schweizer Gemeinden ihre globale Verantwortung wahr, indem sie sozial nachhaltig beschaffen und Entwicklungszusammenarbeit unterstützen? Diese Fragen beantwortet das Gemeinderating von Solidar Suisse.

Das wollen wir

Das Rating untersucht, ob Gemeinden Entwicklungszusammenarbeit unterstützen und beim Einkauf auf eine nachhaltige Produktionsweise achten. Denn wenn die öffentliche Hand Waren billig im Ausland einkauft, ist oft das Gegenteil der Fall: Miserable Löhne, gefährliche Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit sind an der Tagesordnung. Schweizer Gemeinden kaufen jährlich für 16 Milliarden Franken Güter und Dienstleistungen ein. Diese Gemeinden können die Lebensbedingungen im globalen Süden nicht nur durch einen nachhaltigen Einkauf, sondern auch über direkte Solidarität mittels Unterstützung von Entwicklungsprojekten beeinflussen.

Das haben wir getan

2011 führte Solidar Suisse das erste Rating durch: Von 84 untersuchten Gemeinden erreichten drei die höchste Bewertung von 5 Globen. Es gibt noch viel zu tun, bis die Gemeinden ihre globale Verantwortung wahrnehmen.

2013 wiederholte Solidar Suisse das Rating mit 88 Gemeinden. Es war ein voller Erfolg: Die Hälfte der untersuchten Gemeinden hatte sich entweder verbessert oder ein hohes Niveau gehalten – und bereits acht Gemeinden erhalten das Spitzenresultat von 5 Globen. Die Gemeinden Bülach, Freienbach und Thalwil machten groses Fortschritte in der nachhaltigen Beschaffung und erhöhten ihre Punktzahl sprunghaft. Einige Gemeinden richteten aufgrund des schlechten Abschneidens im ersten Rating ihr Beschaffungswesen auf Nachhaltigkeit aus.

2016 zeigte sich ein ähnliches Bild. Es wurden wiederum 88 Gemeinden untersucht, und fast zwei Drittel der erneut untersuchten Gemeinden hatten sich in eine positive Richtung entwickelt oder ihr hohes Niveau halten. So haben zum Beispiel Kreuzlingen, Montreux und Kriens Beschaffungsrichtlinien mit sozialen Kriterien erarbeitet und die Sensibilisierung der Verwaltung umgesetzt. Die Gemeinde Ittigen stegit gleich mit 5 Globen ins Rating ein. Die Zahl der Spitzengemeinden mit 5 Globen hat sich auf 12 erhöht.

Setzt sich dieser Trend 2019 fort? Die Resultate des aktuellen Ratings finden Sie hier.

Das haben wir bewirkt

Vor allem im Beschaffungswesen gab es seit 2011 grosse Fortschritte: Aufgrund des schlechten Abschneidens im Rating haben einige Gemeinden ihr Beschaffungswesen neu auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit ausgerichtet. Das Rating hat VertreterInnen von Gemeinden und die Öffentlichkeit darauf sensibiliert, dass Gemeinden eine globale Verantwortung haben und solidarisch handeln können.

So unterstützen wir die Gemeinden

Solidar Suisse möchte Gemeinden nicht nur bewerten, sondern auch bei der Wahrnehmung ihrer globalen Verantwortung unterstützen. Deshalb bietet Solidar Suisse verschiedene Informationen: Wir haben Merkblätter für Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltige Beschaffung ausgearbeitet und vermitteln interessierten Gemeinden Kontakte zu Gemeinden, die bereits nachhaltig beschaffen. 2018 wurde erstmals ein Austausch für Gemeinden organisiert, bei dem anhand des Beispiels Ittigen die konkrete Umsetzung von nachhaltiger Beschaffung diskutiert wurde. Auf Wunsch kommen wir auch in Ihre Gemeinde und führen eine Schulung für alle an der Beschaffung beteiligten Gemeindemitarbeitenden durch. Bei Interesse können sie sich hier melden.
Dabei werden auch die neuen Möglichkeiten sozial nachhaltiger Beschaffung thematisiert, die das revidierte Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen (BöB) bietet. Das neue BöB schafft endlich eine Rechtsgrundlage für sozial nachhaltige Beschaffung und es können nun soziale Mindeststandards eingefordert werden, die über die ILO-Kernarbeitsnormen hinausgehen. 

Share buttons Header Image