Wie stark achten Gemeinden auf fairen Einkauf? Und wie wichtig ist ihnen die internationale Solidarität? Diese Fragen untersucht Solidar Suisse im Gemeinderating. Ziel der Untersuchung ist es die soziale Verantwortung der Gemeinden zu steigern. Während das erste Gemeinderating 2011 einen Überblick über die Gemeinden bot, zeigte die Untersuchungen 2013 und 2016 einen positiven Trend bei den Gemeinden: Immer mehr Gemeinden in der Schweiz achten auf eine ökologische und nachhaltige Beschaffung und zeigen sich solidarisch mit den Ländern des Südens.

Solidar Suisse setzt sich dafür ein, dass die öffentliche Hand sozial nachhaltig einkauft. Die Behörden beschaffen in der Schweiz jedes Jahr Waren und Dienstleistungen für schätzungsweise 40 Milliarden Franken. Ein Teil davon wird im Ausland eingekauft und stammt aus ausbeuterischer Produktion. Hier setzt das Rating von Solidar Suisse an: Es bewertet die Gemeinden im Hinblick darauf, wie sehr sie bei der Beschaffung auf soziale Nachhaltigkeit achten und ob sie ihre globale Verantwortung wahrnehmen, indem sie Entwicklungsprojekte unterstützen. 

Die besten Gemeinden werden an einer Preisverleihung ausgezeichnet. Damit will Solidar die öffentliche Hand sensibilisieren und die Gemeinden dazu bringen, dass sie ihre Marktmacht und Vorbildfunktion als verantwortungsvolle Konsumentin verstärkt wahrnehmen. Dass die gelungen ist, zeigt das zweite Rating 2013: Die Hälfte der untersuchten Gemeinden hat sich entweder verbessert oder ein hohes Niveau gehalten. 

Im Rating im Jahr 2016 zeigte sich eine Fortsetzung dieses Trends.

Um eine faire Beschaffung voranzutreiben, engagiert sich Solidar Suisse zudem für eine bessere gesetzliche Verankerung von nachhaltiger Beschaffung.

Global denken – lokal handeln
Den Zusammenhang zwischen dem Einkauf von Waren in der Schweiz und den Lebensbedingungen in den Produktionsländern kennt Solidar Suisse aus jahrelanger Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit. Hier zeigt sich, dass menschenwürdige Arbeitsbedingungen und faire Löhne für viele Armutsbetroffene der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Weg aus der Armut sind. Mit unserem Konsumverhalten in der Schweiz haben wir direkten Einfluss darauf, unter welchen Bedingungen Produkte in Entwicklungs- und Schwellenländern hergestellt werden. Doch Gemeinden beeinflussen die Lebensbedingungen der Menschen in anderen Ländern nicht nur über die Waren und Dienstleistungen, die sie einkaufen, sondern auch über die direkte Solidarität, die sie vorleben, indem sie Entwicklungsprojekte unterstützen. Dies gilt gerade für Gemeinden in reichen Ländern wie der Schweiz.

Hintergrund

Nachhaltige öffentliche Beschaffung

Wenn Gemeinden billige Produkte aus dem Ausland einkaufen, hat dies oft eine Kehrseite. Viele dieser Waren wurden unter menschenverachtenden Bedingungen hergestellt.