Die Wirtschaft Kambodschas ist in einem radikalen Umbruch begriffen. Das Land wandelt sich in einem enormen Tempo von einer traditionellen Agrargesellschaft zu einem Billiglohnland. Dank extrem tiefen Löhnen ist in den letzten Jahren eine riesige Bekleidungsindustrie entstanden. Bekleidung und Schuhe machen heute 80% der kambodschanischen Exporte aus. Der Sektor beschäftigt über 700'000 ArbeiterInnen.

Bis 2014 erhielten TextilarbeiterInnen in Kambodscha etwa 100 US-Dollar monatlich, was bei weitem nicht ausreichte, um ihre Grundbedürfnisse abzudecken. Aufgrund von mangelhafter Ernährung litten viele an Blutarmut und waren untergewichtig. Selbst das Arbeitsministerium berechnete, dass ein Existenzlohn 177 US-Dollar betragen müsste. Inflationsbereinigt müsste dieser inzwischen bei weit über 200 US-Dollar liegen. Nach langem Kampf konnte im 2014 ein Mindestlohn von 140 US-Dollar erzielt werden, der per 2019 auf 182 US-Dollar erhöht wurde.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Verbesserung der Lebensbedingungen der ArbeiterInnen im Bekleidungssektor und den anderen Wirtschaftszweigen des Landes nur über deren Ermächtigung (Empowerment) erzielt werden kann: Die ArbeiterInnen und ihre Netzwerke müssen in die Lage versetzt werden, ihre Stimmen zu erheben und ihre Interessen selbst aktiv zu vertreten.

Über die kambodschanische Partnerorganisation CENTRAL (Center for Alliance of Labor and Human Rights) unterstützt Solidar Suisse ArbeiterInnen und ihre Organisationen darin, ihre Rechte einzufordern und gegen Missbräuche und Diskriminierungen anzukämpfen. Im Rahmen des Projekts mit CENTRAL werden 355 ArbeiterInnen aus unabhängigen Gewerkschaften und Basisorganisationen weitergebildet in Bezug auf Arbeitsrecht und Interessensvertretung. Ferner erhalten ArbeiterInnen Rechtsbeistand, auch vor Gericht. Etwa 50‘000 ArbeiterInnen sollen direkt oder indirekt profitieren.

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