Im Zusammenhang mit den Fussballweltmeisterschaften werden Menschenrechte regelmässig missachtet. Im Vorfeld der Fifa-WM in Südafrika und Brasilien kam es zu Vertreibungen und StrassenhändlerInnen verloren ihr Einkommen. Für Russland 2018 wurden Arbeiter auf Stadionbaustellen ausgebeutet und bei den Vorbereitungen für Qatar 2022 leiden Arbeitsmigranten unter prekären Bedingungen.

Das fordern wir

Die Fifa steht als Veranstalterin der WM in der Pflicht, für nachhaltige Spiele und faire Arbeitsbedingungen auf den Stadionbaustellen zu sorgen. Solidar Suisse fordert von der Fifa die Einhaltung der Menschenrechte und Transparenz. Konkret heisst das für die Arbeiter auf den Stadionbaustellen:

  • Faire, termingerechte Entlöhnung inklusive bezahlten Überstunden.
  • Einhaltung der Ruhezeiten und Sicherheitsvorschriften.
  • Recht auf Versammlungsfreiheit.

Die Fifa muss dafür sorgen, dass die Zustände auf den Baustellen regelmässig kontrolliert werden, bei Zuwiderhandlungen für Sanktionen einstehen und betroffenen ArbeiterInnen Zugang zu Wiedergutmachung gewähren. Zudem muss die Fifa stets transparent kommunizieren.

Das haben wir getan

WM 2022 in Qatar: Menschenrechtsverletzungen sind auf den Stadionbaustellen in Qatar an der Tagesordnung. Neben der Fifa ist auch der qatarische Staat gefordert, sich für den Schutz der Arbeiter einzusetzen. Solidar Suisse ist seit 2017 in regelmässigem Austausch mit der Fifa bezüglich ihren Anstrengungen zur Einhaltung der Menschenrechte und begrüsst die diesbezüglichen Fortschritte. Dass die Fifa bei allem Engagement nach wie vor intransparent kommuniziert, kritisiert Solidar Suisse weiterhin.

WM 2018 in Russland: 2016 wurde Gianni Infantino als neuer Präsident der Fifa gewählt. Solidar Suisse nahm den Führungswechsel zum Anlass, um von der Fifa einen Nachhaltigkeitskodex zu fordern. 11‘000 Personen haben die darin enthaltenen Forderungen mit ihrer Unterschrift unterstützt.

2016 konfrontierte Solidar Suisse die Fifa mit den Resultaten einer investigativen Recherche auf Stadionbaustellen in Russland. Daraufhin standen wir in regelmässigem Austausch mit der Fifa und begleiteten ihre Fortschritte bezüglich Einhaltung der Menschenrechte. 2017 veranstaltete Solidar Suisse zusammen mit terre des hommes schweiz ein Podium zum Thema „Fifa im Wandel: Schein oder Sein?“, bei dem die Fifa auch teilnahm.

Vor Anpfiff der WM in Russland haben wir einen Appell an Gianni Infantino lanciert, um zu bekräftigen, dass die Einhaltung der Menschenrechte bei der Fifa zur Chefsache erklärt werden muss.

WM 2014 in Brasilien: 2012 lancierte Solidar Suisse eine Petition mit der Forderung, die Fifa solle bei den WM-Vorbereitungsarbeiten für die Einhaltung der Menschenrechte sorgen und sich gegen die Vertreibung von Menschen aus ihren Häusern und der Vertreibung von StrassenhändlerInnen von ihren Standplätzen einsetzen.

Am 24. Juni 2013 wurde die Petition mit 26‘353 Unterschriften Sepp Blatter persönlich am Hauptsitz der Fifa in Zürich übergeben. Parallel dazu lief im Internet eine Protestaktion gegen das Verhalten der Fifa: Wer die Fifa-Website anklickte, wurde von einem wild Samba tanzenden Sepp Blatter und dem Spruchband „Wir wollen eine faire WM“ überrascht. Derweil protestierten in Brasilien Millionen von Menschen gegen die Milliardenausgaben für die WM, weil gleichzeitig das Geld für Spitäler und öffentlichen Verkehr fehlt.

Drei Monate nach der WM veröffentlichte Solidar Suisse eine erste Bilanz des Heinrich Böll-Insituts Brasilien. Die Studie zeigt ein vernichtendes Bild: Die WM 2014 war die teuerste aller Zeiten, fast vollumfänglich bezahlt durch die SteuerzahlerInnen. Es wurden nur temporäre Arbeitsplätze geschaffen, vornehmlich im Bau und Tourismus. Die Investitionen von Privatunternehmen blieben aus. Und die Infrastrukturprojekte v.a. im öffentlichen Verkehr wurden zusammengestrichen.

2011: Petition gegen Steuererleichterung: Die Fifa profitiert von massiven Steuererleichterungen. Die Juso und Solidar Suisse lancierten dagegen eine Petition und reichten sie 2011 mit 10'631 Unterschriften bei der Bundeskanzlei in Bern ein. Das Schweizer Parlament hat im März 2015 die Petition für eine gerechtere Steuerbelastung der Fifa abgelehnt.

WM 2010 in Südafrika: Gemeinsam mit südafrikanischen Gewerkschaften setzte sich Solidar Suisse (damals noch Schweizerisches Arbeiterhilfswerk) dafür ein, dass die Löhne und die Arbeitssicherheit auf den Stadionbaustellen verbessert wurden. So erhielten die Arbeiter in Durban schliesslich 16 Rand pro Stunde (ca. Fr. 2.30) statt 12. In Kapstadt erhielten die ArbeiterInnen nach zähen Verhandlungen die dringend benötigte Transportentschädigung. Viele mussten bis dahin für die Anreise zur Baustelle rund ein Drittel ihres Lohns aufwenden.  

Gegen diese Ausbeutung an der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika sammelte Solidar Suisse 13'715 Unterschriften und übermittelte die Petition am 8. Juni 2010 an die Fifa. Leider war die Fifa nicht bereit, die Petition offiziell entgegenzunehmen.

Zum Abschluss der WM in Südafrika gab Solidar Suisse eine Studie über die nachhaltige Wirkung der WM in Auftrag. Sie zeigt ein vernichtendes Bild: Falsche Schätzungen, übertriebene Hoffnungen, verpuffte Jobwirkung, noch mehr soziale Ungerechtigkeit.

Das haben wir bewirkt

Vor der WM in Südafrika hat unser Einsatz unter anderem zu höheren Löhnen für die ArbeiterInnen geführt. Bei der WM in Brasilien führte unsere Hartnäckigkeit dazu, dass immerhin 2000 StrassenhändlerInnen durch die WM-Organisation beschäftigt wurden. Der jahrelange Kampf von Solidar Suisse für die Einhaltung der Menschenrechte und mehr Transparenz bei der Fifa trug ab 2017 erste Früchte: Die Fifa hat die Einhaltung der Menschenrechte in den Statuten verankert, eine Human Rights Policy erarbeitet und ein unabhängiges Human Rights Advisory Board ins Leben gerufen.

Wie sich bei den Vorbereitungen für die WM 2022 in Qatar hingegen zeigt, bleibt bei der Umsetzung dieser neuen Regeln noch immer sehr viel zu tun. Transparente Kommunikation über die laufenden Prozesse dazu wären aus Sicht von Solidar Suisse ein wichtiger Schritt.

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