Nur wenn Benachteiligte ihre Interessen einbringen können, nimmt die soziale Gerechtigkeit zu und die Armut ab.

Die Erfahrung von Solidar Suisse zeigt, dass es ohne politische Beteiligung und ohne Demokratie keine soziale Gerechtigkeit und damit auch keine nachhaltige, allen zu Gute kommende Entwicklung gibt. Ohne Partizipation werden Trinkwasserbrunnen kaum dort gebaut, wo den meisten Menschen der Zugang zu sauberem Wasser fehlt, sondern dort, wo die ParteigängerInnen der Regierungspartei leben. Auch werden nicht zuerst Primarschulen oder Gesundheitsposten auf dem Land eingerichtet, sondern eher der zentrale Platz in der Gemeinde verschönert und ein Offroader für den Chef der Distriktregierung angeschafft.

Moçambique: Frauen tragen nach der Dorfversammlung ihre Stühle wieder nach Hause

Damit die Eliminierung von Armut und Hunger, gute Bildung und sauberes Trinkwasser für alle, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und die Gleichstellung der Geschlechter erreicht werden kann, wie es die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDG) der UNO wollen, müssen die Menschen im globalen Süden mitbestimmen können. Und zwar sowohl in ihren jeweiligen Ländern als auch in den internationalen Beziehungen. Inzwischen besteht Konsens in der internationalen Gemeinschaft, von der UNO über die Weltbank bis zu NGOs und zur Forschung: Das Ziel, die extreme Armut bis 2030 zu eliminieren wird nur erreicht, wenn die soziale Ungleichheit abnimmt. Wachstum allein genügt nicht, um die Armut zu reduzieren, dafür braucht es konkrete Schritte zu Umverteilung und mehr sozialer Gerechtigkeit – mit klaren politischen Weichenstellungen: global, national, lokal.

El Salvador: Dank Zugang zu sauberem Trinkwasser werden die Kinder weniger krank

Die politischen Weichen sind dann richtig gestellt, wenn die Benachteiligten und Diskriminierten ihre Interessen, Anliegen und Prioritäten in die entwicklungspolitische Diskussion einbringen können. Benachteiligung hat viele Gesichter und Ursachen, sie kann gleichermassen Frauen, ethnische Minderheiten oder vom dynamischen Entwicklungsprozess abgekoppelte Dorfgemeinden treffen. Auf die unmittelbare Lebensrealität der Menschen bezogen bedeutet Teilhabe: Entwicklungspläne und kommunale Budgets müssen breit diskutiert, alle Meinungen angehört werden, und es muss einen fairen Interessenausgleich geben.

 

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