In Nicaragua kämpft Solidar Suisse seit Jahren gegen Gewalt an Frauen: mit Erfolg – aber auch mit Rückschlägen.

2012 feierte Solidar Suisse einen grossen Erfolg. Das nicaraguanische Parlament nahm ein neues Gesetz gegen Gewalt an Frauen an. Es sieht schärfere Strafen vor und verfolgt Femizid – Mord an Frauen – als eigenständigen Straftatbestand. Endlich, fanden die Solidar-Partnerorganisationen, die entscheidend am Gesetz mitgewirkt hatten.

Kirche gegen Frauen

Doch es dauerte nicht lange, da schlug das Pendel zurück: Bereits 2014 wurde das Gesetz wieder abgeschwächt. Fundamental-christlichen Kreisen war es zu radikal. Die Regierung hat ihrem Druck nachgegeben und bei minderen Delikten wie sexueller Belästigung wieder wie früher eine Mediation zwischen Opfern und Tätern eingeführt. Gegen diese Verwässerung hatten Frauenorganisationen vergeblich gekämpft. Zudem wurde ein Familiengesetz eingeführt, das auf konservativen Rollenbildern beruht.
Ein weiterer Rückschlag folgte 2015: Seither wird Prävention in Schulen behindert – Diskussionsrunden oder Theateraufführungen, um Schulkinder für das Problem der Gewalt an Frauen zu sensibilisieren, können wir nur noch unter erschwerten Bedingungen durchführen. Und 2016 wurden schliesslich die Frauenkommissariate der Polizei abgeschafft, also just jene Anlaufstellen, bei denen von Gewalt Betroffene spezialisierte Unterstützung erhielten.

Rückgang der Gewalttaten

Damit drohen die bisherigen Erfolge zunichte gemacht zu werden: In Matagalpa beispielsweise, 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegen, haben Solidar-Partnerorganisationen Tausende von Frauen und Kindern beraten und betreut. Zusammen mit dem Frauenkommissariat haben sie erreicht, dass die Gewalttaten zurückgingen – laut Polizeistatistik um 30 Prozent. Auch vor Gericht gab es Erfolg um Erfolg: 90 Prozent der Prozesse zu Gewalt an Frauen wurden gewonnen. Damit diese hart erkämpften Errungenschaften nicht verloren gehen, kämpft Solidar Suisse weiter dafür, dass Gewalt an Frauen verhindert und geächtet wird und die Opfer Unterstützung erhalten.

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