20 Aug 20
Katja Schurter

Fahmi Panimbang, Solidar-Projektkoordinator für Palmöl, erzählt, welche Folgen die Corona-Krise für die ArbeiterInnen auf den Palmölplantagen in Malaysia hat.

 

Auf den Palmölplantagen von Sabah waren die Arbeitsbedingungen schon vor Covid-19 prekär. Hat sich die Situation der ArbeiterInnen, die meist aus Indonesien stammen, noch verschärft?
Ja. Zwar haben die 90 Prozent ArbeitsmigrantInnen ohne Aufenthaltsstatus die Plantagen schon vorher kaum verlassen, aus Angst, aufgegriffen und deportiert zu werden. Unter dem Corona-Lockdown wurden aber die Polizeikontrollen intensiviert. Auch die HändlerInnen, welche die ArbeiterInnen mit Lebensmitteln und weiteren Grundgütern beliefern, konnten nicht mehr in die Plantagen, was die Versorgung stark erschwerte. Weil die Palmölproduktion teilweise eingestellt wurde, konnten die MigrantInnen mehr als zwei Wochen nicht arbeiten – und erhielten keinerlei Entschädigung. Das heisst, ihr magerer Lohn wurde einfach halbiert.

Wie konnten sie sich und ihre Familien ernähren?
Nur dank der Unterstützung der Solidar-Partnerorganisation Asia Monitor Resource Center. AMRC hat vom 10. April bis 5. Mai Essen und Schutzmaterial verteilt. Manche ArbeiterInnen, die verzweifelt waren, weil ihre Familien hungerten, weinten, als endlich etwas Hilfe kam.

Müssen denn die BetreiberInnen die ArbeiterInnen nicht bezahlen, wenn sie die Plantagen von einem Tag auf den anderen schliessen?
Auf dem Papier schon. Die Regierung hat angeordnet, dass die ArbeiterInnen alle ihnen zustehenden Leistungen bekommen. Manche haben beim Arbeitsministerium Beschwerde eingereicht, weil sie nichts erhielten. Aber sie bekamen nicht einmal eine Antwort. Ohne Aufenthaltsbewilligung haben die MigrantInnen kein Druckmittel. Und das Arbeitsgesetz verbietet undokumentierten ArbeiterInnen, sich einer Gewerkschaft anzuschliessen.

Mitte Mai haben die meisten Plantagen die Produktion wieder aufgenommen, und die ArbeiterInnen können zunehmend normal arbeiten. Sind sie vor Ansteckung mit dem Virus geschützt?
Nein, ausser von AMRC erhalten sie keinerlei Schutzmaterial. Sie haben ja zuvor auch keinen Schutz vor Pestiziden erhalten. Eine Maske war und ist ein Luxus.

Undokumentierte ArbeiterInnen werden in Ausschaffungszentren gesteckt und nach Indonesien zurückgeschafft. Was geschah im Lockdown mit den Inhaftierten?
Ab Mitte März wollte sie die indonesische Regierung nicht mehr zurücknehmen. Die Gefangenen – unter ihnen auch Kinder –
blieben also in den Lagern. Unter schrecklichen Bedingungen: Ohne Zugang zu sauberem Wasser, mit Essen, das oft nur aus verrottetem Reis und Gemüse bestand, litten viele unter Durchfall und Hauterkrankungen. Gefangene wurden regelrecht gefoltert, und es kam sogar zu Todesfällen aufgrund von Krankheiten. Ausserdem waren die Lager völlig überfüllt, und Abstand halten war
unmöglich. Sie so lange festzuhalten, ist illegal.

Was hat AMRC getan, um die Gefangenen zu unterstützen?
Wir forderten das indonesische Konsulat in Sabah auf, ihre StaatsbürgerInnen zurückzunehmen. Ausserdem informierten wir die lokale Regierung über die Menschenrechtsverletzungen in den Lagern und forderten Zugang zu den Gefangenen. Letzteres leider ohne Erfolg: Unter dem Vorwand von Corona-Schutzmassnahmen wurden Besuche verboten. Aber AMRC und andere Organisationen haben eine Untersuchungskommission nach Indonesien geschickt, um mit den zurückgekehrten Gefangenen zu sprechen. Seit Anfang Juni können die Internierten wenigstens wieder nach Indonesien zurückkehren.

Share buttons Header Image