15 Jul 20
Iwan Schauwecker

Rozina Akter ist Textilarbeiterin in Bangladesh. Obwohl sie Angst vor einer Ansteckung in der Kleiderfabrik hat, bleibt ihr im Moment keine andere Wahl als der Fabrikalltag.

Rozina Akter (20) lebt in Ashulia, einem Vorort der Hauptstadt von Bangladesch, wo hunderte von Textilfabriken angesiedelt sind. Seit 2018 ist sie als Qualitätsinspektorin in der Kleiderfabrik New Age Apparels ltd. angestellt. Ein Bekannter ihres Vaters, der selber arbeitsunfähig ist, hat ihr den Job vermittelt. Rozina Akter leistete häufig drei bis vier Überstunden pro Tag und konnte so 110 CHF pro Monat verdienen. Mit dem Geld, das sie nicht für ihre Miete und Nahrung brauchte, konnte sie ihre Eltern und drei Schwestern unterstützen und damit deren finanzielle Notlage lindern.

Fabrikschliessung und Lockdown

Doch am 26. März 2020 wurde die Kleiderfabrik New Age Apparels auf unbestimmte Zeit geschlossen. Rozina Akter konnte nicht mehr zur Arbeit und wegen der Corona-Ausgangssperre auch nicht in das Dorf zu ihren Familienmitgliedern zurück. Rozina Akter hatte keine finanziellen Reserven, was dazu führte, dass sie und ihre Familie während Wochen Hunger leiden mussten.

Einen Monat später wurde die Fabrik wiedereröffnet und Rozina Akter erhielt ihr volles Gehalt. Gegenwärtig ist die Arbeitsbelastung in ihrer Fabrik für die ArbeiterInnen höher, weil manche ArbeiterInnen aus Angst vor einer Ansteckung nicht zur Arbeit in die Fabrik zurückkehren. "Es ist unmöglich, in unserer Fabrik mit genügend Abstand zu arbeiten. Die Temperatur der ArbeiterInnen wird gemessen und es wird Desinfektionsmittel versprüht.» Dennoch fühlt sich Rozina Akter bei der Arbeit unsicher – Masken und Handschuhe musste sie selber besorgen.

«Meine grösste Angst ist, dass ich meinen Arbeitsplatz verliere.» sagt die junge Frau trotz allen Gesundheitsrisiken. Sie hofft, dass sie möglichst bald ihr Studium abschliessen kann und sie dann andere Jobperspektiven ausserhalb der Kleiderfabrik hat.

Solidar Suisse hilft ArbeiterInnen in Not. Mit unserem lokalen Partner OSHE verteilen wir  in Bangladesch Nahrungsmittel und Schutzmaterial.

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