7 Mai 20
Lionel Frei

Der Verein Actares vertritt AktionärInnen, die sich für eine nachhaltige Wirtschaft einsetzen. An der Nestlé-Generalversammlung Ende April kritisierte Actares, dass der Konzern weiterhin von Zwangsarbeit – auch von Kindern – in Palmölplantagen profitiert. Catherine Herold erklärt im Namen der «Nestlé-Arbeitsgruppe» von Actares, wie es dazu kam.

Was tut Actares?

Wir wollen, dass AktionärInnen, denen die Nachhaltigkeit am Herzen liegt, die Geschäfte der Konzerne in diese Richtung bewegen können. Unsere Mitglieder sind natürliche und juristische Personen, die Aktien besitzen. Wir vertreten aber auch Personen ohne direkten Aktienbesitz, denn über die Pensionskassen ist das Vermögen der meisten SchweizerInnen ebenfalls in Aktien angelegt. Alle AktionärInnen, ob Actares-Mitglied oder nicht, können ihre Stimmrechte für die Generalversammlungen an uns delegieren.

Wie reagieren Unternehmen im Allgemeinen, wenn Actares Probleme aufzeigt?

Die Reaktionen sind unterschiedlich. Wir müssen oft nachhaken, um eine Antwort auf die gestellten Fragen und genauere Informationen zu erhalten. Actares leistet Pionierarbeit und diese ist umso erfolgreicher, je breiter unsere Anliegen unterstützt werden. Ein gutes Beispiel dafür ist die stärkere Präsenz von Frauen in den Verwaltungsräten. Actares nimmt auch Forderungen von anderen NGOs auf, die wir dann direkt an die Verwaltungsräte richten.

Welche Kritikpunkte wurden dieses Jahr an der Generalversammlung von Nestlé vorgebracht?

Actares gratulierte Nestlé zu den Fortschritten im Bereich der Menschenrechte und für den Umweltschutz. Wir wiesen aber auch darauf hin, dass der Konzern häufig nur auf Skandale reagiert. In diesem Jahr befragten wir Nestlé zur Einhaltung der Menschenrechte: Insbesondere prangerten wir die Zwangs- und Kinderarbeit sowie die Umweltzerstörung bei der Palmölproduktion in Malaysia an. Actares tat dies auf der Grundlage des Berichts von Solidar Suisse und verlangte von Nestlé die Einhaltung ihrer Nachhaltigkeitsverpflichtungen in der gesamten Wertschöpfungskette, von der Lieferung der Rohstoffe bis zur Vermarktung der Fertigprodukte.

Wir kritisierten auch die zu hohe Vergütung von Management und Verwaltungsrat und die Herabsetzung des Aktienkapitals. Denn dadurch wird die Ausschüttung grosser Summen an die AktionärInnen ermöglicht – in der aktuellen Situation war das wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen.

Und wie war die Reaktion von Nestlé?

Dieses Jahr ist aussergewöhnlich wegen Corona: Actares konnte sich an der geschlossenen Generalversammlung vom 23. April nicht vor dem Verwaltungsrat und den normalerweise zahlreich anwesenden AktionärInnen äussern. Daher appellierten wir via die Medien an Nestlé. Während das Unternehmen sonst unmittelbar auf unsere Interventionen reagiert, antwortete Nestlé diesmal mit einem kurzgefassten Tweet. Wir erwarten deshalb eine Einladung von Nestlé, um den konstruktiven Dialog, den wir seit 20 Jahren pflegen, fortzuführen und die Probleme im Detail zu besprechen.

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