16 Mär 20

Als internationale Entwicklungsorganisation ist auch Solidar Suisse stark vom Coronavirus betroffen. Felix Gnehm, der Direktor von Solidar Suisse, erklärt, welche Verantwortung die Organisation in dieser Krisensituation trägt und welche schwerwiegenden Konsequenzen das Virus für die Menschen im globalen Süden hat.   

Die neue Strategie von Solidar Suisse ist darauf ausgerichtet, dass die Organisation in der heutigen «VUCA»-Welt bestehen kann. «VUCA» ist ein englischer Fachbegriff und steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. In diese Welt passt das Coronavirus auf besonders drastische Weise. Seit sich das Virus über den ganzen Globus verbreitet, verändert sich der Alltag von uns allen.

Konsequentes Homeoffice, Reisestopp und Solidarität

Solidar Suisse hat rasch und entschlossen auf die neue Situation reagiert. Erstens tragen wir Verantwortung für die Gesundheit unserer Angestellten am Arbeitsplatz. Zweitens tragen wir «Solidarität» im Namen und wollen diesem Anspruch und Versprechen auf ganzheitliche Weise gerecht werden.

Als Betrieb helfen wir daher mit, die staatlichen Vorgaben umzusetzen. So können wir verletzliche Menschen schützen und die Ausbreitung des Virus verlangsamen und eindämmen. Seit dem Auftreten des Virus arbeiten wir in der Schweiz wann immer möglich im Homeoffice und beschränken unsere Reisetätigkeiten auf das absolute und betriebsnotwendige Minimum (z.B. im Bereich der humanitären Hilfe). Mit unseren Mitarbeitenden in den Solidar-Schwerpunktländern stehen wir dennoch in ständigem Austausch. Sie erstellen Aktionspläne für den möglichst reibungslosen Weiterbetrieb und die Fortführung der Projektarbeiten. Waren unsere Entwicklungsprojekte im globalen Süden bisher nicht in ihrer Umsetzung gefährdet, beginnt nun eine schwierigere Phase. Auch die Regierungen unserer Partnerländer verfügen nun Reiserestriktionen mit Sperrzonen und Anweisungen, zu Hause zu bleiben. Wir hoffen, dass nicht allzu viele Projekte ausgesetzt oder sogar gestoppt werden müssen. Das grösste Risiko für die längerfristige Weiterführung wäre wohl ein Einbruch bei den Zuwendungen von Stiftungen und von Spenden. Wir hoffen daher, dass SchweizerInnen die grossen Probleme und Herausforderungen in den Ländern des Südens trotz der Coronakrise nicht vergessen. Solidarität mit den Verletzlichsten in der Schweiz und weltweit, ist das Gebot der Stunde.

Krankheit und Krise: Wer zahlt den Preis?

In der aktuellen Krisensituation werden grosse Ungleichheiten noch besser sichtbar: Menschen, die in prekären Verhältnissen arbeiten, sind weit stärker von der Krankheit und der Krise betroffen als wir, die wir zumeist von fairen Arbeitsbedingungen profitieren. Sie können per sofort entlassen werden und haben auch höhere Sterberaten als gesunde, geschützte ArbeiterInnen. Wer in smoggeplagten Städten COVID-19 einfängt, zeigt stärkere Symptome und muss eher hospitalisiert werden. Reiche Staaten haben in der Regel nicht nur ein besseres Gesundheitssystem, sie haben auch die finanziellen Mittel zur Rettung von Unternehmen in der Krise.

Das Coronavirus unterbricht globale Lieferketten und führt zu Produktionsstopps. Dies wird in zahlreichen Ländern und Branchen zu Fabrikschliessungen und dramatischen Entlassungswellen führen. Solidar Suisse arbeitet in Ländern, wo solche Entlassungen bereits Realität sind, zum Beispiel in Vietnam, Myanmar, Kambodscha und in China. Wir arbeiten an einer weiteren Stärkung der Arbeitsrechts-Netzwerke, um die ArbeiterInnen auch in solchen Krisensituationen besser zu schützen. Nicht zu vergessen sind auch die MigrantInnen, diein vielen Ländern in einer besonders misslichen Lage sind. Wenn sie krank werden, fehlt es ihnen an Geld für eine Behandlung, an Obdach und an Verwandten zur Unterstützung. Sie zahlen in einer derartigen Krise den höchsten Preis.

Solidar Suisse setzt alles daran, die Mitarbeitenden zu schützen, Spenden zu sammeln und damit auch den Betroffenen in unseren Einsatzländern weiterhin eine starke Partnerin zu sein.

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