8 Apr 19
Iwan Schauwecker

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO wurde vor 100 Jahren, am 11. April 1919, auf der Friedenskonferenz in Versailles gegründet. Ziel war und ist die Sicherung des Weltfriedens auf der Grundlage sozialer Gerechtigkeit. Was sind die wichtigsten Errungenschaften und was die grössten Schwachstellen dieser einzigartigen Uno-Organisation?

Die ILO ist die einzige Uno-Organisation, die tripartit organisiert ist: Staaten, Arbeitgebende und Gewerkschaften setzen Regeln für ArbeiterInnen gemeinsam fest und überwachen die Einhaltung der Abkommen.

Die wichtigsten Errungenschaften

Die ILO liefert die wichtigsten globalen Standards zu Arbeitszeiten, Mutterschutz und Nachtarbeit oder auch zum Mindestalter für Beschäftige. Die Abkommen gegen Zwangs- und Kinderarbeit, gegen Diskriminierung, für die Vereinigungsfreiheit und sichere Arbeitsbedingungen sind heute wichtige Referenzgrössen bei Verhandlungen für nationale Gesetze oder Gesamtarbeitsverträge. Bis heute gibt es 187 Konventionen und zahlreiche Empfehlungen für die Staaten und ihre Arbeitsgesetze. 

Die grössten Schwachstellen

Die prekäre Arbeitsrealität von Millionen von Menschen und die weltweite soziale Ungerechtigkeit zeigen, dass die ILO ihre Ziele nicht erreicht. Die Gewerkschaften hatten bei der Gründung der ILO einen Sanktionsmechanismus gefordert. Doch dies lehnten die Staaten damals ab. Die ILO kann deshalb bis heute lediglich Missstände offenlegen und Regierungen ermahnen.

Ausserdem waren die ILO und viele Gewerkschaften lange auf einem Auge blind: Menschen, die in der informellen Wirtschaft arbeiten, also ungesicherte Jobs ohne Vertrag haben, fanden kaum Beachtung. Erst Anfang der 1970er-Jahre schaute sich die ILO die Arbeitswelt im Süden genauer an und stellte fest: Dort war informelle Arbeit eher die Regel als die Ausnahme.

Die dringendsten Herausforderungen

In Südostasien arbeiten heute zwei von drei Menschen ohne formelle Anstellung. In Afrika und Lateinamerika jeder zweite. Und selbst in den reichen OECD-Staaten sind es 15 von 100 Arbeitenden. Tendenz steigend. Soziale Ungerechtigkeit kann nur bekämpft werden, wenn auch diese Menschen ihre Rechte einfordern können.

Foto: TextilarbeiterInnen auf den Philippinen, ©ILO Asia Pacific

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