3 Dez 18

Solidar Suisse kämpft für einen Verwendungsstopp von Asbest, das in Asien die Gesundheit von Tausenden ArbeiterInnen bedroht.

Während in der Schweiz und den meisten anderen westlichen Ländern alle Formen von Asbest längst verboten sind und ein Bewusstsein für die gefährlichen Altlasten besteht, fehlt in Asien beides: Asbest wird nach wie vor bedenkenlos verwendet, zum Beispiel als Dachplatten für Wohnhäuser, und die Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz werden ignoriert. Die meisten ArbeiterInnen wissen nicht, dass sie mit Asbest in Kontakt gekommen sind, geschweige denn, dass sie daran sterben können. Das hat gravierende Folgen: Als unsere Partnerorganisation Occupational Safety, Health and Environment Foundation (OSHE) vor zwei Jahren in Schiffs-Abwrackwerften bei Chittagong in Bangladesch gesundheitliche Untersuchungen vornahm, hatten 30 von 101 Arbeitern Symptome asbestbedingter Krankheiten.

Opfer vor allem in armen Ländern

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO kommen heute noch immer 125 Millionen ArbeiterInnen mit Asbest in Berührung. Laut Schätzungen verursachen asbestbedingte Krankheiten wie Brustfellkrebs oder Staublunge weltweit über 107 000 Todesfälle pro Jahr, die meisten davon in Entwicklungsländern. Genaue Zahlen für Asbestopfer in Asien fehlen, doch es dürften mehrere Zehntausend sein, Tendenz steigend – aufgrund der höheren Lebenserwartung und der langen Latenzzeit von Asbesterkrankungen. In Bergwerken, auf dem Bau, beim Abbruch von Gebäuden und dem Abwracken von Schiffen sind die ArbeiterInnen häufig Substanzen wie Asbest und Siliziumdioxid ausgesetzt. Den Staub tragen sie nach Hause und gefährden damit auch ihre Familienangehörigen. Viele lokale ÄrztInnen sind für das Diagnostizieren der ausgelösten Krankheiten nicht spezialisiert genug. Weil beispielsweise bei Brustfellkrebs klar diagnostizierbare Beschwerden erst 20 bis 50 Jahre nach dem Kontakt mit Asbest auftreten, wird die Erkrankung kaum mehr damit in Verbindung gebracht. „Die grösste Herausforderung ist, dass viele Betroffene nie auf asbestbedingte Krankheiten hin untersucht werden“, meint Omana George von der Solidar-Partnerorganisation Asia Monitor Resource Centre (AMRC). Der Einkommensausfall und die hohen Medikamentenkosten drängen die Erkrankten und ihre Familien in die Armut.

Die Verwendung von Asbest stoppen

Solidar Suisse unterstützt die asiatische Kampagne für einen Asbest-Verwendungsstopp. Diese baut Netzwerke auf und erarbeitet nationale Asbest-Profile, da Daten zu Import und Verwendung von Asbest meist fehlen. Sie stellt Diagnosemöglichkeiten bereit und sensibilisiert die verantwortlichen Behörden für die langfristigen Gesundheitsrisiken und -kosten. Diagnosen sind eine Voraussetzung dafür, dass die Opfer Kompensationen erstreiten und die Asbest-Hersteller zur Verantwortung ziehen können.

Solidar Suisse kämpft auch dafür, dass alle Formen von Asbest ins Rotterdamer Übereinkommen aufgenommen werden. Dieses internationale Abkommen bewirkt zwar noch kein Verbot der aufgeführten gefährlichen Substanzen, doch die Exportländer müssten klar über deren Risiken informieren, ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zu einem totalen Verbot. Leider wird im Falle von Weissasbest selbst dieser kleine Schritt seit Jahren mit russischer Unterstützung von der Asbest-Lobby blockiert.

Diese Woche zeigt Solidar Suisse im Rahmen des Human Rights Film Festival Zurich den Film "Breathless" zum Thema Asbest.

Text und Foto: Sanjiv Pandita

Share buttons Header Mobile