22 Nov 18
Katja Schurter

Gewalt an Frauen ist immer noch schockierend weit verbreitet. Frauen in Lateinamerika sind besonders von der Gewalt, die vom alltäglichen Machismo bis zu Mord reicht, betroffen. Solidar Suisse geht mit Vida sin violencia in Bolivien seit vielen Jahren erfolgreich gegen Gewalt an Frauen vor. Das Konzept wurde im Rahmen eines Netzwerktreffens in La Paz mit anderen Organisationen geteilt und soll nun noch mehr Frauen in Lateinamerika vor Gewalt schützen.

Solidar Suisse organisierte zusammen mit der DEZA ein dreitägiges Austauschtreffen mit VertreterInnen von Polizei, Justiz, Politik und Zivilgesellschaft aus verschiedenen lateinamerikanischen Ländern in La Paz. Das Treffen zeigte, welche Wirkung die längjährige Arbeit gegen Gewalt an Frauen haben kann. Ziel des Meetings war der Austausch von Erfahrungen und der Besuch des Solidar-Projekts Vida sin violencia (Leben ohne Gewalt) im Munizip Sorata, knapp 150 Kilometer von La Paz entfernt.

Effektive Netzwerkarbeit

Anhand des nachgestellten Falls einer Frau, die von ihrem Mann geschlagen worden war, wurde gezeigt, wie viele AkteurInnen sich in Sorata im Netzwerk gegen Gewalt an Frauen engagieren – von der indigenen Autoritätsperson über Promotorinnen, Gesundheitsdienste und auf Gewalt an Frauen spezialisierte Polizeieinheiten bis zur von Solidar Suisse aufgebauten Frauenberatungsstelle SLIM und der Staatsanwaltschaft.

Männer engagieren sich gegen Gewalt

Efrain Chino, Präsident des Männernetzwerks, fasst die Gründe für Männergewalt folgendermassen zusammen: „Gewohnheit, Machismo, Stolz, fehlende Bildung und Alkohol.“ Dass Chino es zu Beginn selbst nicht ganz einfach fand, Frauen als gleichwertig zu sehen, hilft ihm bei der Sensibilisierungsarbeit: „Wenn ich die Männer frage, ob es ihnen gefallen würde, wenn ihre Tochter Gewalt erlebt, wissen sie, worum es geht“, meint er.

Frauen zeigen an

Auch die Medien machen mit, denn das Gesetz 348 aus dem Jahr 2013, das Frauen ein Leben ohne Gewalt garantieren soll, schreibt vor, dass alle Medien im Land Frauen über ihre Rechte aufklären müssen. Nicht zuletzt haben Promotorinnen, die Betroffene ansprechen, sowie die im ganzen Land verteilten Beratungsstellen dazu beigetragen, die Situation zu verändern: “Nun kennen mehr Frauen ihre Rechte, mehr Frauen zeigen an, und es wird mehr über Gewalt gesprochen”, sagt SLIM-Mitarbeiterin Nesma Anton. So schnell geht ihr die Arbeit in einem Land, in dem 7 von 10 Frauen Gewalt erlebt haben und jährlich 100 Frauen umgebracht werden, leider trotzdem nicht aus.

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