25 Apr 18
Katja Schurter

Fünf Jahre ist es her, dass die Textilfabrik Rana Plaza in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, einstürzte: Mehr als 1100 Menschen wurden dabei getötet und fast 2500 verletzt. Gestern fand vor der Baulücke, wo früher die Fabrik stand, ein Gedenkanlass statt. Opfer und Angehörige erzählten Schockierendes.

Hunderte von Menschen gedachten der Opfer und die Solidar-Partnerorganisation OSHE (Occupational Safety, Health and Environment Foundation), welche die die Opfer unterstützte, legte Blumen nieder. Anschliessend fand ein Treffen mit Opfern und Angehörigen von Opfern der Katastrophe statt. «Ich arbeitete zusammen mit meiner Schwester im zweiten Stock», erzählte Roshera S. «In der Nacht zuvor träumte ich, dass etwas Schlimmes passieren würde, denn ich hatte die grösser werdenden Risse in den Wänden gesehen. Wie ich beim Einsturz aus dem Gebäude kam, weiss ich nicht. Ich war nahezu unverletzt und bekam 95‘000 Taka (etwa 1100 Franken) Entschädigung. Meine Schwester kam ums Leben.» Fast alle, die Angehörige verloren hatten, erzählten, dass diese einige Tage vor dem Unglück grösser werdende Risse in den Mauern festgestellt hatten. Viele hatten dies den Vorgesetzten gemeldet. Doch ihre Besorgnis wurde nicht ernst genommen – in einem Fall wurden sogar die Identitätskarten der ArbeiterInnen eingezogen, damit sie nicht am nächsten Tag aus Angst der Arbeit fernbleiben würden.

Einige Arbeiter überlebten, weil sie vom einstürzenden Gebäude heruntersprangen, in dem vom zweiten bis sechsten Stockwerk verschiedene Textilfabriken untergebracht waren. Dabei zogen sie sich schwere Verletzungen zu. Viele der am Treffen anwesenden Opfer, sind noch heute stark traumatisiert und können sich nicht vorstellen, jemals wieder in einer geschlossenen Fabrik zu arbeiten. Auch leiden etliche noch heute an ihren Verletzungen.

Empörend ist auch, wie lange es dauerte, bis sie Kompensationen erhielten und dass diese sehr unterschiedlich hoch ausfielen. In vielen Fällen sind die Gelder längst aufgebraucht bzw. reichten beim Erhalt kaum, die aufgehäuften Schulden zu begleichen. Auch eine längerfristige medizinische Betreuung der Opfer gibt es nicht. Dafür müssen sie selbst oder ihre Angehörigen aufkommen.

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