27 Nov 17

Solidar unterstützt kambodschanische MigrantInnen, die in Thailand häufig ausgebeutet werden. Zum Beispiel Phoeun Seng.

Text: Bernhard Herold, Foto: Andreas Schwaiger

Die Hoffnungen der vielen KambodschanerInnen, die in Thailand ihr Glück suchen, sind gross. Doch statt den versprochenen Verheissungen begegnen sie häufig Ausbeutung. So auch die 38-jährige Phoeun Seng: «Ich arbeitete zuerst auf dem Bau, musste dann Betteln gehen. Dabei hat mich die Polizei erwischt und nach Kambodscha zurückgeschafft.» Sie ist eine von über 500'000 KambodschanerInnen, die in Thailand ein Auskommen suchen. Armut, fehlende Arbeitsmöglichkeiten, Verschuldung und Landlosigkeit sind die Hauptursachen für die massive Migration aus dem ländlichen Kambodscha nach Thailand. Denn dort sind die Löhne doppelt so hoch. Da die MigrantInnen jedoch oft illegal einwandern, weil es billiger und schneller ist, laufen sie Gefahr, von den Arbeitgebenden ausgebeutet zu werden. Zudem verschulden sich viele – wie auch Phoeun Seng – bei Arbeitsvermittlungsagenturen. In Thailand krampfte sie zunächst auf dem Bau. Als sie mit ihrem zweiten Kind schwanger wurde, musste sie ihre Arbeit aufgeben. Der Arbeitsvermittler zwang sie, betteln zu gehen. Drei Monate lang musste sie ihm jeden Abend ihre gesamten Einnahmen abgeben. Für sie blieb lediglich Kost und Logis. «Den versprochenen Anteil habe ich nie bekommen», erzählt Phoeun Seng.

Thailand geht gegen MigrantInnen vor

Unterstützung aus der Heimat bekommt sie keine – obwohl die thailändische Regierung den Druck auf die kambodschanischen ArbeiterInnen erhöht hat und die sklavereiähnlichen Bedingungen in Industrien wie etwa der Hochseefischerei international bekannt sind. So hat Thailand diesen Juni ein Dekret erlassen, das hohe Strafen für undokumentierte MigrantInnen und deren Arbeitgebende vorsieht. In der Folge wurden zahlreiche kambodschanische ArbeiterInnen verhaftet und ausgeschafft. Gleichzeitig wurde eine Frist gesetzt, während der sich MigrantInnen registrieren konnten und einen vorläufigen Aufenthaltsstatus erhielten. Dies heisst jedoch auch, dass sie ihre Stelle nun kaum mehr wechseln können, was ihre Abhängigkeit von den Arbeitgebenden erhöht. Trotzdem nutzten 223'000 KambodschanerInnen diese Möglichkeit.

Unterstützung für zurückgeschaffte MigrantInnen

Phoeun Seng blieb diese Chance verwehrt, da sie bereits früher ausgeschafft wurde. Unterstützung fand sie erst beim Kriseninterventionszentrum, das die lokale Solidar-Partnerorganisation Cambodian Women’s Crisis Centre betreibt. Es liegt im nordwestlichen Grenzgebiet zu Thailand. Täglich schaffen die thailändischen Behörden dort rund 100 MigrantInnen nach Kambodscha zurück. Hier hat Phoeun Seng endlich mit ihren Kindern für bis zu acht Monate Unterschlupf gefunden. So kann sie erst mal aufschnaufen und sich in Ruhe die nächsten Schritte überlegen. Wie ihre Zukunft aussehen wird, weiss sie noch nicht: «Wahrscheinlich werde ich versuchen, legal nach Thailand arbeiten zu gehen. Wie das mit zwei Kindern gehen soll, weiss ich allerdings noch nicht. Am liebsten hätte ich ein eigenes kleines Haus mit einem Laden, um für mich und meine Kinder zu sorgen.»

Bernhard Herold ist Programmleiter Asien bei Solidar Suisse. Der Artikel erschien in der Solidarität 4/2017

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