14 Nov 17
Fabienne Widmer

Die Fifa hat vor Kurzem das Bewerbungsverfahren für künftige Weltmeisterschaften veröffentlicht. Dass der Einhaltung der Menschenrechte dabei neu eine wichtige Rolle zukommt, ist sehr begrüssenswert. Auch der Menschenrechtsbeirat attestiert der Fifa in seinem ersten Bericht beachtliche Fortschritte. Doch der Beirat sieht, wie auch Solidar Suisse, weiteren Handlungsbedarf zur Umsetzung der Grundsatzerklärungen.

In den vergangenen Monaten hat sich bei der Fifa bezüglich Menschenrechte, zumindest auf Papier, viel getan. Solidar Suisse wurde dazu eingeladen, die Entwürfe zur Menschenrechtspolitik und dem Bewerbungsverfahren für neue Weltmeisterschaften zu kommentieren. Die Dokumente bilden das Rahmenwerk für Veränderungen bei der Fifa zur Einhaltung der Menschenrechte. Wie die Grundsatzerklärungen aber in die tägliche Arbeit der Fifa einfliessen, ist bis dato noch zu wenig klar. 

Menschenrechts-Beirat: Fokus nahe Zukunft
Die Notwendigkeit dieses Transfers wird im ersten Bericht des Menschenrechtsbeirats mehrfach betont. Nebst der Analyse zum Stand der Fifa bezüglich der verschiedenen Handlungsfelder im Bereich Menschenrechte macht der Beirat Empfehlungen. Und er hält das Thema Menschenrechte im Zusammenhang mit den Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Qatar 2022 sowie die Integration von Menschenrechtsanliegen in die tägliche Arbeit der Fifa-Administration als Priorität fest. 

Fifa: Priorität auf der langen Bank
Im letzten Teil nimmt die Fifa Stellung zum Bericht. Eine Sache ist dabei störend: Zur WM in Russland als drängendstes Handlungsfeld verweist die Fifa auf einen Inspektionsbericht vom Juni 2017, gemäss dem die Menschenrechtsprobleme gegenüber dem Vorjahr um 72% reduziert werden konnten. Zum Stand hinsichtlich der Empfehlungen des Rats will sich die Fifa erst im zweiten Bericht des Menschenrechtsbeirats äussern. Solidar Suisse hat sich in den letzten Monaten im direkten Austausch mit der Fifa auf die arbeitsrechtliche Situation auf den WM-Baustellen in Russland fokussiert. Dabei hat sich die Fifa zuletzt ebenfalls auf den Inspektionsbericht bezogen, um die positive Entwicklung der Situation zu beschreiben.

Transparenz unabdingbar für Glaubwürdigkeit
Solidar Suisse ist damit nicht zufrieden. Wenn die Menschenrechte für die Fifa tatsächlich Priorität haben sollen, dann müssen entsprechende Probleme und Verbesserungen klar kommuniziert werden. Denn nur so wird das Engagement der Fifa auch nachvollziehbar und glaubwürdig. Solidar Suisse hat im Juni 2017 in einem Brief an die Fifa diese Transparenz eingefordert und bisher keine Antwort erhalten. Die Weltmeisterschaft in Russland steht vor der Tür - dabei wird es nicht reichen Menschenrechtsfortschitte in Prozenten zu rechnen.

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