25 Aug 17
Iwan Schauwecker

Seit mehreren Monaten wird in Thailand die Registrierung und Ausschaffung von ArbeitsmigrantInnen aus Kambodscha und Myanmar vorangetrieben. Wer sich nicht registriert, muss mit hohen Bussen, Gefängnisstrafen und Ausschaffung rechnen. Doch auch wer sich an die Vorgaben der Militärregierung hält, riskiert, Thailand verlassen zu müssen. Von der neuen Politik sind auch viele Kinder ohne Aufenthaltsbewilligung betroffen.

Mit grossen landwirtschaftlichen Betrieben, der Fischereiindustrie und dem Tourismus ist die thailändische Wirtschaft sehr arbeitsintensiv. Während vieler Jahre waren die billigen Arbeitskräfte, vornehmlich aus Myanmar und Kambodscha, bei den EigentümerInnen der Betriebe sehr willkommen. Doch die Stimmung gegenüber den ArbeitsmigrantInnen hat sich verschlechtert und die Militärregierung propagiert jetzt einen harten Kurs. ArbeitsmigrantInnen sollen nicht mehr ohne gültige Papiere im Land bleiben dürfen. Inwiefern die Regierung die insgesamt über 2 Millionen undokumentierten ArbeiterInnen wirklich registrieren kann, ist jedoch unklar und Deportationen stossen auf den Widerstand der industriellen Betriebe.

Frist zur Registrierung bis Ende Jahr

Bis Anfang August haben sich 770‘000 ArbeitsmigrantInnen offiziell registrieren lassen, darunter 223‘000 aus Kambodscha. Inzwischen wurden 400'000 der registrierten ArbeitsmigrantInnen interviewt. Alle ausländischen ArbeiterInnen, die sich bis Ende Jahr nicht beim thailändischen Arbeitsministerium registriert haben, müssten das Land verlassen. Bisher sind 3'300 kambodschanische MigrantInnen in den Interviews mit dem Arbeitsministerium abgewiesen und deportiert worden. 800 von ihnen sind Kinder unter 15 Jahren. Dy The Hoya, von CENTRAL, einer Partnerogranisation von Solidar Suisse befürchtet, dass das Recht auf Familie missachtet und die Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Viele dieser Kinder wüssten nicht einmal was legal und illegal bedeute. In einem Appell an die Regierung fordert er den Schutz der Kinder und ihr Recht bei der Familie bleiben zu dürfen. Grundsätzlich ist eine Regularisierung der ArbeitsmigrantInnen aus Myanmar und Kambodscha zu begrüssen. Doch unsere Partnerorganisationen vor Ort befürchten, dass die Fristen viel zu eng gesetzt sind. Zudem bietet der Registrierungsprozess korrupten Beamten die Möglichkeit, sich auf Kosten der MigrantInnen zu bereichern.

Hilfe für MigrantInnen von Solidar Suisse

Das von Solidar Suisse unterstützte Projekt „Safe Migration and Reduction of Trafficking (SMART)“ hat zum Ziel, den Menschenschmuggel einzudämmen, sichere Migrationswege aufzuzeigen und den Zugang zu Information und Beratungsdiensten für die Betroffenen zu verbessern. Zu diesem Zweck werden in den Herkunftsgebieten der MigrantInnen gemeinschaftsbasierte Netzwerke aufgebaut, um Informationen über die Gefahren der illegalen Arbeitsmigration zu verbreiten. Dabei wird auch mit den lokalen Behörden und Grenzpolizisten eng zusammengearbeitet, um diese für die Probleme der ArbeitsmigrantInnen zu sensibilisieren. Im Grenzabschnitt, wo das Projekt angesiedelt ist, werden täglich etwa 100 MigrantInnen aus Thailand nach Kambodscha zurückgeschafft. Oft sind sie traumatisiert und völlig mittellos.

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