11 Aug 17
Iwan Schauwecker

Ursache der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Krise in Südafrika ist keineswegs nur die Korruption. Ighsaan Schröder von der Solidar-Partnerorganisation CWAO erklärt die schwierige Situation der Armen und warum die Regierungspartei ANC wohl trotz allem auch nach 2019 an der Macht bleiben wird.

Was sind die Grundzüge der gegenwärtigen Krise in Südafrika?

Wie viele andere Gesellschaften auf dieser Welt ist auch Südafrika heute ein tief gespaltenes Land. Aufgrund der neoliberalen Politik sind insbesondere die Mittel- und Unterschicht in ihrem Alltag unter einem riesigen Druck. Die staatlichen Institutionen sind am Kollabieren, und es herrscht eine verbreitete Krisenstimmung. Denn es fehlt eine soziale und politische Kraft, die den ArbeiterInnen eine gemeinsame Stimme verleihen könnte.

Inwiefern sind die Menschen, die bei CWAO Unterstützung suchen, von der Krise betroffen?

Heute befinden wir uns in Südafrika offiziell in einer Rezession. Doch das Wirtschaftswachstum kam auch zuvor nicht den ArbeitnehmerInnen zugute. Derzeit liegt die Arbeitslosigkeit bei 27 Prozent, mit denen, welche die Jobsuche aufgegeben haben, sind es sogar 40 Prozent. Grosse Firmen führen Restrukturierungsprogramme durch. CWAO unterstützt momentan Beschäftigte der Verpackungsfirma Nampak und der Transportfima Skynet im Kampf gegen Entlassungen. Prekär Beschäftige in Südafrika leiden auch besonders unter der hohen Inflation, die für Nahrungsmittel derzeit bei 7 Prozent liegt

Die Regierungspartei ANC hat viel von ihrer Popularität eingebüsst – könnte es 2019 zu einem Regierungswechsel kommen?

Das ist sehr unwahrscheinlich. In den Städten hat der ANC zwar massiv Stimmen eingebüsst, doch in den ländlichen Gebieten ist die Partei nach wie vor stark. Und der ANC geniesst auch weiterhin die Unterstützung der grossen Firmen.

Historisch gesehen waren die Bergbaufirmen in Südafrika sehr mächtig – ist dies immer noch so?

Die neoliberale Doktrin führte global zu einem starken Einfluss des Finanzsektors auf die Politik, auch in Südafrika. Und dennoch bleibt das Land sehr von Rohstoffen und damit von den grossen Bergbauunternehmen abhängig. Es gibt eine politische Elite innerhalb des ANC, die sehr eng mit den Bergbauunternehmen verbunden ist und die in keiner Weise die Interessen der ArbeiterInnen vertritt. Zu ihnen gehört auch Cyril Ramaphosa, der Ambitionen auf das Präsidentenamt hat. Dies obwohl er 2012 für das Massaker von Marikana mitverantwortlich war, bei dem über 40 Minenarbeiter starben.

Southafrica

CWAO

«Fight for our rights»

Während sieben Jahren war Winnie bei verschiedenen Arbeitsvermittlern unter Vertrag. Dann wurde sie gefeuert weil sie sich für ihre Rechte einsetzte.