11 Mai 17
Fabienne Widmer

Die Fifa hat diese Woche in Bahrain getagt. Thema Nummer eins war dabei der Personalwechsel in der Ethik-Kommission. Wenig Beachtung fand dagegen das Bewerbungsverfahren für künftige Weltmeisterschaften. Der Fifa-Rat hat Änderungen am Verfahren beschlossen – wie diese aussehen, bleibt allerdings unter Verschluss.

Der heutige Entscheid des Fifa-Kongresses, die Vorsitzenden der beiden Kammern der unabhängigen Ethikkommission mit sofortiger Wirkung auszuwechseln, warf in den Medien hohe Wellen. Die einzige Erklärung der Fifa dafür war, dass sie die Diversität der Fifa stärken will. Dieses Argument bietet Nährboden für Sepkulationen. Solidar Suisse und andere Beobachter der Fifa sind tief besorgt, dass dies das Ende der kaum begonnenen Reformen der Fifa bedeutet.
 
WM-Bewerbungsverfahren: Nur Stichworte
In ihrer offiziellen Mitteilung nach der Tagung des Rats am 9. Mai schreibt die Fifa:

Der FIFA-Rat gab seine Unterstützung für eine Reihe von Grundsätzen, die die FIFA-Administration für das Verfahren zur Wahl des Ausrichters der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026™ vorgelegt hat. Dazu gehörten auch eine Übersicht über die Punkte, die die Bewerbungsdossiers der Mitgliedsverbände beinhalten müssen, und die wichtigsten Veranstaltungsvorgaben, wie Stadion- und Infrastrukturvorgaben, nachhaltiges Veranstaltungsmanagement, Menschenrechte und Umweltschutz oder Einzelheiten zu den erforderlichen Regierungsbestätigungen, dem Organisationsmodell und den Regelungen zur Schaffung eines Nachhaltigkeitsfonds. Die Mitgliedsverbände, die sich für das Bewerbungsverfahren anmelden, erhalten eine vollständige Fassung der Bewerbungsvorgaben.

Federico Addiechi, Leiter der Abteilung "Nachhaltigkeit und Diversität" der Fifa, hat gegenüber Solidar Suisse in der Vergangenheit mehrfach betont, dass der Respekt der Menschenrechte bei künftigen Bewerbungsverfahren für die WM berücksichtigt werden soll. Nun, da es so weit ist und auch Präsident Gianni Infantino erneut betonte, wie transparent die neue Fifa sei, hinterlässt die Geheimniskrämerei der Fifa Ratlosigkeit und gesteigertes Misstrauen. 
Solidar Suisse hat deshalb heute per E-Mail bei Federico Addiechi die vollständige Fassung des Bewerbungsverfahrens verlangt. Sobald die Unterlagen vorliegen, werden wir prüfen, ob und wie die langjährigen Forderungen hinsichtlich der Menschenrechte im Bewerbungsverfahren zur Geltung kommen.

Share buttons Header Image

Hintergrund

Nachhaltigkeitskodex für den Weltfussball

Die Petition für eine faire und nachhaltige Fussball-WM wurde von 11'000 Personen unterzeichnet und am 27. Februar 2016 dem neuen Fifa-Präsidenten Gianni Infantino übergeben.