Dienstag, 13. Oktober 2020

Die Nationalrätin Isabelle Chevalley unterstützt einen Radiosender in Burkina Faso, der einen Bericht mit Falschaussagen über die Arbeit von Solidar Suisse produziert hat. Das Dokument mit dem Titel "Rapport de Solidar, réalité ou mensonge“ übernimmt Zitate von Isabelle Chevalley, ohne dies zu erwähnen. Der Bericht ist journalistisch unseriös und voller Plagiate aus Zeitungsberichten. Solidar Suisse bedauert, dass die Gegnerschaft der Konzernverantwortungsinitiative mittels Fake News unsere Studie zu Kinderarbeit in Burkina Faso verunglimpft.

Ein vom burkinischen Lokalsender Tan Kon Non produziertes Dokument macht den Anschein einer journalistischen Recherche. In Realität ist es eine Anklageschrift mit dem Ziel der Täuschung. Solidar Suisse fand im Dokument zahlreiche gravierende und widerlegbare Falschaussagen.

Isabelle Chevalley (GLP Nationalrätin, VD) hat bereits bestätigt, dass sie die Spesen des Journalisten Sidibe Saidou, der das Dokument mit dem Titel "Rapport de Solidar, réalité ou mensonge“ verfasst hat, bezahlt habe. Die Unterstützung durch die Nationalrätin geht aber bedeutend weiter. Isabelle Chevalley unterstützt den Radiosender Tan Ko Non, wo Sidibe Saidou arbeitet, bereits seit der Gründung im Jahr 2017.

Die Vorgeschichte

Solidar Suisse führt in Zusammenarbeit mit renommierten lokalen und internationalen Forschungsinstituten Recherchen zu Arbeitsbedingungen im globalen Süden durch. Diese Studien werden jeweils aus Eigenmitteln finanziert. Die Tatsache, dass Kinderarbeit in den Baumwollfeldern Burkina Fasos ein Problem ist, wurde nach der Veröffentlichung unserer Studie im Jahr 2019 auch von den Schweizer Baumwollhändlern Reinhart AG und Louis Dreyfus SA anerkannt. Anders verhielt es sich mit der Nationalrätin Isabelle Chevalley: Sie hat die Studie seit der Veröffentlichung kritisiert und das Problem der Kinderarbeit in Burkina Faso beschönigt. Seither griff sie die Arbeit von Solidar Suisse in Burkina Faso wiederholt an.

Ablenkungsmanöver der Gegner der Konzernverantwortungsinitiative

Im Rahmen der Abstimmungskampagne gegen die Konzernverantwortungsinitiative haben die Angriffe nun einen unrühmlichen Höhepunkt erlangt. Solidar Suisse bedauert zutiefst, dass mit Falschaussagen von gravierenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen abgelenkt werden soll. Solidar Suisse macht darauf aufmerksam, dass Kinderarbeit in Burkina Faso weit verbreitet ist, obwohl dies auch nach burkinischem Recht verboten ist.

Solidar Suisse leistet seit 1974 Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso und geniesst einen ausgezeichneten Ruf, sowohl bei der lokalen Bevölkerung als auch bei den politischen Behörden vor Ort. Nun steht wegen der politischen Kampagne von Isabelle Chevalley die Reputation der Organisation vor Ort auf dem Spiel.

 

Falschaussagen und Plagiate im "Rapport de Solidar, réalité ou mensonges“

1.Nicht deklarierte Zitate von Chevalley im Rapport

«Nous constatons que Solidar Suisse qui pense faire du bien aux contonculteursburkinabé risque de faire plus de mal qu’elle ne l’imagine en effectuant une analyse partielle du problème. Mais s’intéressent-ils vraiment aux réelles causes du problème?» p.12

Diese Passage im Bericht ist eine Kopie der Stellungnahme von Isabelle Chevalley, die in der Zeitung Le Temps veröffentlicht wurde.

https://www.letemps.ch/economie/lancons-une-initiative-ong-responsables

«Un autre problème qui se présente à la filière du coton est le préfinancement des campagnes. Pour accéder à cet argent, les cotonculteurs doivent se tourner vers des banques, mais cesdernières sont de plus en plus frileuses pour octroyer des prêts, surtout si elles sont sous le feu des ONG comme Solidar Suisse. Dès lors, qui va prêter l’argent à tous ces paysans pour qu’ils puissent travailler? Est-ce que Solidar Suisse est prêt à le faire?» p.12

Eine weitere Textpassage, die ursprünglich von Isabelle Chevalley stammt. Copy Paste im Bericht ohne Quellenangabe.

2. Falsche Infos zum Zeitpunkt der Reise des Fotografen

«Durant toute notre enquête sur le terrain, il a été démontré clairement que les photos d’Andreas Schwaiger et Christof Hotz qui illustrent ce rapport accablant ont été sorties de leur contexte et montée de toute pièce. De plus ces photos ont été prises début Janvier 2019 au moment des congés de Noël.» p.7

Andreas Schwaiger und Christof Hotz sind nicht in der Ferienzeit nach Burkina Faso gereist, sondern im November.

3. Falschaussagen zur Foto-Reportageund zum Verwendungszweck

«Vu les informations récoltées, nous avons pu poser des questions à cette famille en leur montrant le rapport de Solidar. Nous avons découvert que Solidar a menti aux parents pour pouvoir faire les photos de leurs enfants dans les champs de coton. Ces photos ont été montées de toute pièce :

  • Il a été dit aux parents des enfants que c’est pour montrer à la communauté internationale que le Burkina Faso produit du bon coton. (Photo publicitaire).
  • On a demandé tout simplement aux enfants d’entrer dans les champs pour des séances photos (En Afrique, tous les enfants sont fascinés par les appareils photos).
  • Les photos d’enfants qui tiennent le coton dans la main ne sont nullement cellesde récolteurs de coton. Il manque toujours un sac pour y mettre le coton récolté.
  • Au Burkina Faso, un enfant de cinq ans ne peut jamais travailler dans un champ de coton.
  •  On a promis aux parents de financer l’école des enfants en échange des photos.» p.7

Aufgrund einer Aussage von einer Person, werden Rückschlüsse auf die gesamte Fotoreportage gezogen. Infos zum generellen Vorgehen bei der Fotoreportage: Eltern und Kinder wurden über den Verwendungszweck dieser Fotos aufgeklärt. Einverständniserklärungen wurden von den Eltern oder gesetzlichen Vertretern der Kinder unterzeichnet. Bei Bedarf können diese geliefert werden. Solidar Suisse hat den Bauern keine direkten Hilfszusagen gemacht. Andreas Schwaiger, der freischaffende Fotograf, mit dem wir zusammengearbeitet haben, wurde im Le Matin Dimanche folgendermassen zitiert: «Wir haben diese Fotos nicht gestellt. Ich würde mit meinen Fotos niemals lügen.»

4. Falschaussagen zu Kinderarbeit in Burkina Faso

«Les cotonculteurs n’ont aucun intérêt à envoyer les enfants récolter le coton. Ils vont le «salir» avec du « Gnama Gnama » comme ils disent. Un paysan illustre cela en disant : «Est-ce que vous enverriez un singe récolter votre champ de maïs? «D’autre part, la récolte se fait en ligne et un enfant ralentirait tout le monde.» p.7

Die von CERFODES mit mehr als 300 Familien durchgeführte Studie belegt, dass Kinder auf den Baumwollfeldern systematisch eingesetzt werden und auch gefährlichen Tätigkeiten ausüben. Vor Ort gesammelte Zeugenaussagen und Reisen von Mitarbeitern bestätigen den Befund.

5.Plagiate aus einer Studie über die Baumwollproduktion in Benin

«La production moyenne annuelle de coton graine estimée à 350 000 tonnes représenteenviron 70 milliards de francs CFA destinés à plus de 325 000 exploitants agricoles. Cesrevenus monétaires nourrissent en moyenne 3 millions de personnes au Burkina Faso». P.11

Mehrere Passagen im Text stammen Wort für Wort aus einer Studie über die Baumwollproduktion in Benin. Der Journalist ersetzte die Worte «Benin» durch «Burkina Faso».

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Baumwollreport Solidar Suisse

Baumwollreport Solidar SuisseBaumwollreport Solidar SuisseDie Untersuchung von Solidar Suisse zeigt, dass in Burkina Faso 250 000 Kinder auf Baumwollfeldern arbeiten müssen. Von dieser illegalen Praxis profitieren auch Schweizer Baumwollhändler.