Mittwoch, 29. August 2018

Mehr als 60% der Pfannen, die wir in der Schweiz kaufen, werden in chinesischen Fabriken produziert. Die Unternehmen in der Schweiz, die Pfannen herstellen oder vertreiben – darunter Migros, Coop, Kuhn Rikon und Ikea – haben versprochen, die Zustände in den Fabriken zu verbessern. Der neue Bericht von Solidar Suisse zeigt: Dort wo hingeschaut wird, verbessert sich auch etwas. Allerdings bleibt noch viel zu tun, denn Arbeitsrechtsverletzungen sind nach wie vor an der Tagesordnung.

Nach einem ersten Bericht über chinesische Pfannenfabriken im Jahr 2016, der miserable Zustände aufdeckte, hatten die meisten betroffenen Unternehmen daraufhin den Wunsch geäussert, die Situation zu verbessern und konkrete Massnahmen angekündigt. Darunter vor allem Kontrollen – sogenannte Audits – in den Fabriken. Jetzt, zwei Jahre später, ermittelten Rechercheure von China Labor Watch im Auftrag von Solidar Suisse erneut in vier Fabriken, die Küchengeräte für den Schweizer Markt herstellen. Als Angestellte getarnt konnten sie die Arbeitsbedingungen in den Fabriken überprüfen. Drei der Fabriken wurden bereits für den Bericht von 2016 überprüft, eine Fabrik wurde zum Vergleich neu in den Bericht aufgenommen.

Nennenswerte Fortschritte seit 2016

In den wiederholt besuchten Fabriken wurden Verbesserungen festgestellt: Ferien- und Krankheitstage werden nun meist bezahlt, die Löhne sind leicht gestiegen und es wurden keine Fälle von nichtausgezahlten Löhnen nach einer Kündigung mehr festgestellt. Innerhalb der drei Fabriken, die erneut untersucht wurden, schneiden jene die für Migros, Ikea und Kuhn Rikon produzieren besser ab als diejenige, die für Coop produziert.

Auffallend ist aber insbesondere, dass die Fabrik, welche im neuen Bericht erstmals bewertet wurde, eine grössere Anzahl von Missständen aufweist als die bereits im Jahr 2016 geprüften Fabriken. Hier wird klar: Dort wo Probleme bekannt werden und Konzerne Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen, verändert sich auch etwas.

Allerdings zeigt der Bericht auch, dass das Ziel noch lange nicht erreicht ist. Denn es kommt immer noch zu exzessiven Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden täglich, die durchgeführten Gesundheitskontrollen sind oft unzureichend und es fehlt an Sicherheitsausrüstung. Es besteht also nach wie vor Handlungsbedarf und die betroffenen Unternehmen sind aufgefordert, das begonnene Engagement tatkräftig fortzusetzen und ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Schweizer Unternehmen müssen mehr Verantwortung übernehmen

Das Beispiel zeigt, dass Verbesserungen möglich sind, es aber noch mehr Einsatz von Seiten der Konzerne braucht. Deshalb fordert die Konzernverantwortungsinitiative, dass alle Konzerne mit Sitz in der Schweiz verpflichtet werden, eine sogenannte Sorgfaltsprüfung durchzuführen. So könnte kein Konzern länger die Augen vor Menschenrechtsverletzungen in seinen Geschäften verschliessen. Solidar Suisse gehört zur Koalition von über 100 Organisationen, die hinter der Konzernverantwortungsinitiative stehen.

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