Dienstag, 15. November 2016

Barbie kämpft heute auf der Strasse und in den Online-Shops von Amazon und Galaxus für faires Spielzeug. Die Puppe, Markenzeichen des Spielzeuggiganten Mattel, prangert die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen an, unter denen sie in chinesischen Fabriken hergestellt wird. Ein investigativer Report der Entwicklungsorganisation Solidar Suisse deckt die Probleme auf: Exzessive Überstunden, Gifte am Arbeitsplatz und Tiefstlöhne sind in den Spielwarenfabriken trister Alltag. Für eine Verbesserung bräuchte es wenig. Eine minimale Erhöhung des Ladenpreises um 2 Rappen pro Barbie könnte den Fabriklohn verdoppeln.

Heute Morgen protestiert eine lebendige Barbie in der Zürcher Bahnhofstrasse gegen die unwürdigen Bedingungen in chinesischen Spielzeugfabriken. Ihren Kampf führt sie aus einer überdimensionalen, pinken Verkaufsbox, die um 9:30 Uhr auf dem Paradeplatz enthüllt wird sowie auf Online-Shops von Amazon und Galaxus.

An Weihnachten klingeln in der Spielzeugbranche die Kassen. Verkaufsschlager sind Barbie-Puppen des Konzerns Mattel, die zunehmend auch über Online-Shops wie Amazon und Galaxus vertrieben werden. Wie die Barbie-Puppen stammen mehr als die Hälfte aller Spielwaren, die in der Schweiz unter dem Christbaum liegen, aus China und werden dort oft unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt. Dies deckt ein heute veröffentlichter investigativer Bericht von China Labor Watch und Solidar Suisse auf.

Für die Geschenke schuften chinesische ArbeiterInnen elf Stunden täglich am Fliessband und das sieben Tage die Woche. Trotz Überstunden reicht der Lohn nur knapp zum Überleben. Auch die Gesundheit ist gefährdet: «Die Arbeiterinnen und Arbeiter hantieren oft mit dem giftigen, hochgradig krebserregenden Lösungsmittel Benzol, dass in Farben, Klebstoffen und Putzmitteln steckt», kritisiert Simone Wasmann, Kampagnen-Verantwortliche bei Solidar Suisse.
 
Mitverantwortlich für die Tiefstlöhne und den Produktionsstress durch kurzfristige Aufträge sind grosse Spielwarenkonzerne wie Mattel. «Seit Mitte der 90er Jahre sind die krassen Missstände in der Spielwarenindustrie bekannt.», erklärt Simone Wasmann. «Die Erfahrung zeigt: Die internationalen Spielwarenkonzerne reagieren nur auf öffentlichen Druck.»

Mit der Petition «Fair Toys» fordert Solidar Suisse deshalb Mattel auf, Verantwortung für die gesamte Lieferkette zu übernehmen und faire Arbeitsbedingungen zu garantieren. Der Konzern steht dabei stellvertretend für die ganze Spielwarenindustrie, die in China produziert. Die Unterschriften werden am 15. Dezember Mattel am europäischen Hauptsitz in Amsterdam übergeben.

Solidar Suisse richtet den Appell zudem an die Vertriebskette und insbesondere an grosse Online-Shops wie Amazon und Galaxus. «Zusammen mit China Labor Watch fordern wir einen Lohn, der zur Existenzsicherung reicht, unabhängige Kontrollen in den Fabriken und Beschwerdemöglichkeiten für die Arbeitnehmenden», erklärt Simone Wasmann. «Es ist Zeit, dass alle, die am Spielzeuggeschäft mitverdienen, Verantwortung übernehmen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen
ein Ende setzen.»

Die Forderung trifft auf breite Unterstützung der Bevölkerung: Gemäss einer repräsentativen Umfrage von Solidar Suisse sind 80 Prozent der Befragten bereit, für ein Fair-Trade-Label bei Spielwaren mehr zu bezahlen. Bessere Arbeitsbedingungen in Chinas Fabriken würden wenig kosten: Bereits bei einer minimalen Erhöhung des Preises um 0.05 Prozent könnte beispielsweise der Fabriklohn verdoppelt werden. Bei einer Barbie von 30 Franken wären das weniger als 2 Rappen.
 
Für Rückfragen
Simone Wasmann, Kampagnenverantwortliche Solidar Suisse, Tel. 079 430 82 22,  simone.wasmann@solidar.ch