Die 22-jährige Daniela Arancibia Oroz und der 18-jährige Elmer Zúñiga zeigen mit Filmen ihre Realität und engagieren sich für Veränderungen.

Vor nicht allzu langer Zeit konnten Frauen nicht an der Jungenschule Zudáñez im südbolivianischen Sucre vorbeigehen, ohne mit Pfiffen oder anzüglichen Sprüchen belästigt zu werden. «In welchem Fach vermitteln sie dir eigentlich, wie du ein besserer Mensch, ein besserer Mann wirst?», fragte sich Elmer Zúñiga, der dort zur Schule ging. Und er begann zusammen mit einigen Mitschülern, die «Ausbildung zum Macho» infrage zu stellen.

Mit Kurzfilmen Machogebaren aufzeigen
Sie führten einen Kino-Workshop durch und verwandelten ihre Handys in Lupen. Detektivisch nahmen sie die alltäglichen grösseren und kleineren Manifestationen machohaften Gebarens an der Schule aufs Korn und machten sie auf der Leinwand sichtbar. Diese Kurzfilme waren Schülern wie Lehrern unangenehm und lösten gleichzeitig einen Prozess aus. Elmer Zúñiga und seine Mitstreiter schlugen vor, Lektionen zu Respekt in den Lehrplan zu integrieren, die sich vor allem mit Genderthemen befassen sollten. Mit Erfolg: Nun büffeln die Schüler nicht nur Mathematik, Chemie und Sprachen, sondern setzen sich mittels Filmen mit ihrem eigenen Verhalten auseinander.

Api mit Film in El Alto
In El Alto – der Vorstadt von La Paz, die inzwischen mehr EinwohnerInnen hat als die Hauptstadt selbst – gibt es keine Kinos, aber diverse Lokale, in denen für einen Boliviano (15 Rappen) das traditionelle Maisgetränk Api und ein Film geboten werden. Die Jugendlichen von LanzArte machten sich diese Gepflogenheit zunutze und dehnten sie in die peripheren Viertel aus: Sie spannten Leintücher auf, auf die sie Filme projizierten. Eintritt gratis, Api und Diskussion inklusive. Die Filme thematisieren die Probleme des Quartiers: Abfall, Gewalt, soziale Unsicherheit. Das regt an: Nach der Vorführung diskutieren die ZuschauerInnen, wie diese Probleme gelöst werden können. Manchen wird bewusst, dass sie die Person auf der Leinwand sein könnten, die ihren Müll heimlich auf die Strasse wirft. Und weil sie sich plötzlich als Teil des Problems fühlen, unterstützen sie die Lösungsvorschläge der jungen FilmemacherInnen wie Kampagnen und Vorschriften zur korrekten Abfallentsorgung.

Die Kamera als Werkzeug
Im Projekt LanzArte hat sich gezeigt, dass sich eine Kamera, ein Leintuch und eine Veränderungsidee in ein Sprungbrett verwandeln können: für mehr Rechte von Menschen mit einer Behinderung, für den Kampf gegen Gewalt an Frauen, für die Vermittlung neuer Männlichkeitsmodelle. Die Jugendlichen nehmen eine Kamera in die Hand, alle beteiligen sich an der Entstehung der Filme. «Mit der Kamera kann ich den Leuten zeigen, wie ich mein Quartier sehe, und es sie durch meine Augen erfahren lassen», sagt die 22-jährige Studentin Daniela Arancibia Oroz aus Sucre. Und die erzählten Geschichten tragen zu Veränderungen bei.

Dieser Artikel erschien im Magazin Solidarität 3/2017.

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