Ein Alptraum für ArbeiterInnen

Toys Report 2017 (pdf)

Fotos aus den Fabriken

Die Erfüllung von Kinderträumen unter dem Christbaum bedeutet vielfach Elend und Ausbeutung von FabrikarbeiterInnen in China. Häufig kommen die WanderarbeiterInnen aus weit entfernten Regionen und  leben getrennt von ihren Kindern, FreundInnen und Verwandten. Sie schuften im Schnitt elf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Mindestlöhne, die knapp zum Überleben reichen, ermöglichen keine menschenwürdige Existenz. Doch nicht nur das: Sie kommen oft mit giftigen Substanzen wie „Banana Oil“ oder Benzol in Kontakt, die zu schweren Vergiftungen, zu Leukämie und zum Tod führen können.

Die meisten ArbeiterInnen leben zu acht oder zu zehnt in kleinen, kargen Schlafsälen der Fabrik. Unhygienische sanitäre Anlagen ohne heisses Wasser sind keine Seltenheit. Beschwerdemechanismen gibt es keine, geschweige denn eine Arbeitnehmervertretung, die sich für eine Verbesserung der Arbeitssituation einsetzen könnte.


Verändert hat sich kaum etwas

Diese Situation ist nicht neu. Bereits Mitte der 1990er Jahre wurden wegen zwei verheerenden Fabrikbränden die prekären Arbeitsbedingungen in den chinesischen Spielwarenfabriken publik. Massive Kritik und Druck von KonsumentInnen, Non-Profit-Organisationen und Medien drängte die Branche zu – beschränktem – Handeln.

Der Weltverband der Spielzeugindustrie verabschiedete einen Verhaltenskodex. Dieser branchenweit „gültige“ Code of Business Practices definierte und vereinheitlichte soziale Mindeststandards für alle Spielzeughersteller (vor allem in China), die im Auftrag von internationalen Markenunternehmen – wie Mattel, Disney oder Hasbro – produzieren. Genützt hat es wenig. Das belegen zahlreiche Recherchen in chinesischen Spielwarenfabriken, welche von Grassroot-NGOs wie China Labor Watch und Sacom durchgeführt wurden.


Report 2017 zeigt prekäre Verhältnisse

2017 hat China Labor Watch von August bis Oktober erneut eine investigative Recherche in vier Spielwarenfabriken, die auch für Mattel, Hasbro und Disney produzieren, durchgeführt. Und wieder wurden grobe Verletzungen des chinesischen Arbeitsrechts und der internationalen Arbeitsrechtsstandards der ILO festgestellt. Hier nur einige der krassen Missstände:

  • Exzessive Überstunden (bis zu 140 Stunden) und extrem kurze Pausen
  • Mindestlöhne, die nicht für ein menschenwürdiges Leben reichen
  • Fehlender Arbeitsschutz: zu wenige und mangelhafte Gesichtsmasken und Handschuhe, defekte Feuerlöscher und versperrte Notausgänge
  • Unwürdige  Lebensumstände: überfüllte Schlafsäle, schlechtes Essen und zu wenige, unhygienische sanitäre Anlagen
  • Keine oder ungenügende soziale Absicherung
  • Fehlende Arbeiternehmervertretungen und unabhängige Beschwerdemöglichkeiten

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Hintergrund

Was ist Benzol?

Benzol ist ein hochgiftiges, krebserregendes Lösungsmittel. In westlichen Ländern ist es deshalb für industrielle Zwecke verboten oder nur sehr eingeschränkt einsetzbar. Nicht so in China.