Noch immer werden die meisten Spielzeuge in China hergestellt. Doch die Erfüllung von Kinderträumen ist begleitet vom Elend und der Ausbeutung von FabrikarbeiterInnen. Das zeigt auch unsere jüngste Recherche aus den Spielzeugfabriken.

Toys Report 2019 (PDF)

Häufig kommen die FabrikarbeiterInnen aus weit entfernten Regionen und leben deshalb getrennt von ihren Kindern, FreundInnen und Verwandten. Für einen Basislohn, der nicht zum Leben reicht und keine menschenwürdige Existenz ermöglicht. Deshalb leisten sie massive Überstunden und schuften in der Hochsaison* elf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Fehlende Sicherheitstrainings und mangelhafte Schutzausrüstung erhöhen das Gesundheits- und Unfallrisiko. Beschimpfungen von ArbeiterInnen und Diskriminierung sind weit verbreitet und auch sexuelle Belästigung ist ein grosses Problem.

Die meisten ArbeiterInnen leben zu acht in engen, kargen Fabrikunterkünften. Bettwanzen und kein heisses Wasser sind keine Seltenheit. Es fehlen auch Beschwerdemechanismen, bei denen Gesetzesverstösse gemeldet werden können, geschweige denn existiert eine unabhängige Arbeitnehmenden Vertretung, die sich für eine Verbesserung der Arbeitssituation einsetzen könnte.

* Die Produktion für das Weihnachtsgeschäft im Sommer und Herbst

Verändert hat sich viel zu wenig

Diese Situation ist nicht neu. Bereits Mitte der 1990er Jahre brachten zwei verheerende Fabrikbrände die prekären Arbeitsbedingungen in den chinesischen Spielwarenfabriken ans Licht. Massive Kritik und Druck von KonsumentInnen, Non-Profit-Organisationen und Medien drängte die Branche damals zu – beschränktem – Handeln.

Der Weltverband der Spielzeugindustrie verabschiedete einen Verhaltenskodex. Dieser branchenweit „gültige“ Code of Business Practices definierte und vereinheitlichte soziale Mindeststandards für alle Spielzeughersteller (vor allem in China), die im Auftrag von internationalen Markenunternehmen – wie Mattel, Disney oder Hasbro – produzieren. Genützt hat es wenig. Das belegen zahlreiche Recherchen in chinesischen Spielwarenfabriken, ruchgeführt von der Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch.

Report 2019 zeigt prekäre Verhältnisse

2019 hat China Labor Watch von Juni bis Oktober erneut eine investigative Recherche in vier Spielwarenfabriken, die auch für Hasbro, Disney und Mattel sowie Lego, produzieren, durchgeführt. Und wieder mussten sie grobe Verletzungen des chinesischen Arbeitsrechts und der internationalen Arbeitsrechtsstandards der ILO festgestellen. Hier nur einige der krassen Missstände:

  • Exzessive Überstunden (bis zu 126 Stunden) und extrem kurze Pausen
  • Mindestlöhne, die nicht für ein menschenwürdiges Leben reichen
  • Unwürdige Lebensumstände: überfüllte Schlafsäle undunhygienische sanitäre Anlagen
  • Ungenügende soziale Absicherung, berechnet auf Basis einen viel zu tiefen Ansatzes.
  • Diskriminierung und sexuelle Belästigung von weiblichen Arbeiterinnen

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