Gladys Escalante und Rocío Oropeza engagieren sich in Netzwerken gegen Gewalt an Frauen.

Gladis Escalante leitet die kommunale Beratungsstelle (SLIM) in Desaguadero, einer Gemeinde mit knapp 7000 EinwohnerInnen hundert Kilometer westlich der Hauptstadt La Paz. Die SLIM unterstützt gewaltbetroffene Frauen psychosozial und rechtlich. Seit acht Monaten gibt es in Desaguadero ein Netzwerk gegen Gewalt, sehr zur Freude von Escalante: «Es gibt viele Fälle von Gewalt an Frauen in unserer Gemeinde. Prävention steht also an erster Stelle – und dafür müssen die Frauen ihre Rechte kennen.» Vor der Gründung des Netzwerks fühlte sich Gladis Escalante oft auf verlorenem Posten. «Die Hände reichten einfach nicht, um all die Aufgaben zu erfüllen. Mit vereinten Kräften führen wir nun Veranstaltungen und Workshops durch, erreichen viel mehr Menschen und konnten die Betreuung der betroffenen Frauen verbessern.» Die Koordination über das Netzwerk führt auch zu einer besseren Zusammenarbeit der SLIM mit dem Gesundheitszentrum und der Polizei. «Aufgrund der guten Resultate wird das Netzwerk auch in den abgelegenen Dörfern anerkannt.» Nun soll die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen im Gemeinderecht verankert werden, was die Behörden verpflichtet, Ressourcen dafür zur Verfügung zu stellen.

Beteiligung von Männern und Medien
Für eine nachhaltige Veränderung der Kultur besonders wichtig ist der Einbezug der Männer, so Gladis Escalante: «Im Netzwerk gibt es eine Gruppe von Männern, die Workshops organisieren und mit anderen Männer sprechen: zuhause, am Arbeitsplatz und unter Freunden. Sie zeigen die Gefahr des Machismo für Frauen, Familien und für das Leben der Männer selbst auf.» Denn Gewalt gegen Frauen kann erst wirksam gestoppt werden, wenn Männer ihr Verhalten verändern.

Um Präventionsbotschaften und Informationen möglichst flächendeckend zu verbreiten, werden auch JournalistInnen wie Rocío Oropeza integriert, die dem Netzwerk der Gemeinde Tolata in der Nähe von Cochabamba angehört: «Mit unserem Radio können viel mehr verschiedene Menschen erreicht werden als durch einen Workshop – von der Marktfrau über den Chauffeur bis zu den Jugendlichen. Wir stellen das Thema Gewalt zur Diskussion, und die ZuhörerInnen sind im besten Fall betroffen, wollen mehr wissen – und engagieren sich in ihrem Umfeld gegen Gewalt.»

Aktiv, wo Gewalt geschieht
Die Netzwerke sind in den Gemeinden aktiv – dort, wo die Gewalt stattfindet. Inzwischen hat Solidar Suisse im ganzen Land 60 solche Netzwerke geschaffen. Frauen, Männer, Jugendliche, Behörden und Medien beteiligen sich auf freiwilliger Basis, um Frauen vor Gewalt zu schützen, Betroffene zu begleiten und die Täter zu belangen. Der Erfolg kann sich sehen lassen, findet Gladis Escalante: «Die Netzwerke tragen dazu bei, dass Gewalt nicht mehr als ‹natürlich› angesehen wird, die Täter angezeigt werden und die Betroffenen die nötige Unterstützung erhalten.» Die Kampagnen zur Prävention von Gewalt beginnen Wirkung zu zeigen.

Dieser Artikel erschien im Magazin Solidarität 3/17.

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