Noch immer werden Menschenrechte bei der Vorbereitung und Austragung von Fussball-Weltmeisterschaften missachtet. Deswegen fordert Solidar Suisse, dass die Fifa einen Nachhaltigkeitskodex einführt. Die Petition für eine faire und nachhaltige Fussball-WM wurde von 11'000 Personen unterzeichnet und am 27. Februar 2016 dem neuen Fifa-Präsidenten übergeben.

4-Punkte-Programm für eine faire WM:

1. Verschärfung der Anforderungen bei den Bewerbungen

2. Definition sozialer Kriterien für die Vergabe der WM

3. Anpassung der Verträge mit den Austragungsstaaten

4. Einführen von Kontroll- und Sanktionsmechanismen

Wir fordern faire Löhne, faire Arbeitsbedingungen und einen fairen Umgang mit der betroffenen Bevölkerung. Die Fifa muss ihre soziale Verantwortung für die Auswirkungen von Fussball-Weltmeisterschaften anerkennen, entsprechende Kriterien aufstellen und Verstösse bestrafen. Um es der Fifa einfacher zu machen, hat Solidar Suisse konkrete Vorschläge für den Kodex ausgearbeitet.

Das 4-Punkte-Programm im Detail:

1. Verschärfung der Anforderungen bei den Bewerbungen

  • Die Staaten müssen in ihrem Bewerbungsdossier darlegen, welche sozialen Konsequenzen die Austragung der WM haben wird und wie sie die Bedingungen des Nachhaltigkeitskodex' erfüllen werden. Speziell zu beachten ist dabei die Respektierung der Menschenrechte. Dies betrifft sowohl die von Infrastrukturbauten betroffene Bevölkerung, die informell Beschäftigten wie z.B. StrassenverkäuferInnen, BauarbeiterInnen und WanderarbeiterInnen als auch andere besonders verletzliche Gruppen.
  • Um die Darstellung der Bewerberstaaten zu überprüfen, werden VertreterInnen der Zivilgesellschaft der jeweiligen Staaten angehört.

2. Definition sozialer Kriterien für die Vergabe der WM

  • Die Respektierung der Arbeits- und Menschenrechte gemäss ILO-Kernnormen und UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte wird explizit in den Kriterienkatalog für das Auswahlverfahren aufgenommen. Soziale Nachhaltigkeitskriterien sind beim Zuschlag entsprechend hoch einzustufen.

3. Anpassung der Verträge mit den Austragungsstaaten

  • Die Verträge mit den Austragungsländern und -städten werden um eine soziale Dimension ergänzt. Insbesondere erlässt die Fifa Richtlinien zu fairen Arbeitsbedingungen beim Stadionbau, zur Gewährleistung der Menschenrechte bei Projekten, die in Verbindung mit der WM stehen, und zum Umgang mit informell Beschäftigten. Sie orientiert sich dabei an den ILO-Kernarbeitsnormen und den UNO-Menschenrechtsabkommen.
  • Die Vertragspartner verpflichten sich, die Arbeits- und Menschenrechte zu respektieren und verbindliche, überprüfbare Massnahmen zu ihrer Gewährleistung zu ergreifen.
  • Die Fifa und ihre Vertragspartner schützen die Einkommensmöglichkeiten der informell Beschäftigten in und um die Stadien und in den Fan-Zonen.

4. Einführen von Kontroll- und Sanktionsmechanismen

  • Eine regelmässig tagende, institutionalisierte Arbeitsgruppe mit VertreterInnen der Zivilgesellschaft und der Fifa garantiert die Kontrolle für die Umsetzung der Fifa-Nachhaltigkeitsklausel.
  • Tripartite Baustellenbesuche (Fifa, Bauherr, Arbeitnehmervertretungen) gewährleisten die Einhaltung der Arbeitsrechte auf den Baustellen.
  • Verstösse werden sanktioniert. Bei gravierenden Verstössen gegen die Menschenrechte kann einem Austragungsstaat die WM wieder entzogen werden.

2015_FIFA_Nachhaltigkeitskodex

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