Regionalprogramm Südosteuropa
Die Arbeitslosigkeit in Südosteuropa ist insbesondere für Jugendliche ein brennendes Problem
Nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus im ehemaligen Jugoslawien in den 90er Jahren mussten sich die meisten staatlichen und genossenschaftlichen Unternehmen einem grundlegenden Strukturwandel unterziehen. Mit der neuen Marktorientierung der Unternehmen verloren viele Arbeiterinnen und Arbeiter ihren Arbeitsplatz und die Gewerkschaften ihre Mitglieder. Die bisherigen Reformen und zögerlichen Demokratisierungsprozesse in Südosteuropa haben internationale Investitionen langsamer als erwartet wachsen lassen. Die Arbeitslosigkeit in Serbien, Bosnien und Herzegowina und Kosovo ist entsprechend hoch und bewegt sich zwischen 17 % und 40 % . Die Bildungssysteme in Südosteuropa sind ungenügend auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet. Dies erschwert den Übergang von der Schule in den Beruf und ist mit ein Grund dafür, dass die Integration in den Arbeitsmarkt für Jugendliche eine grosse Herausforderung darstellt. Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen liegt denn auch deutlich über dem Durchschnitt. Viele Jugendliche finden lediglich einen unsicheren Job in der mächtigen Schattenwirtschaft, die sich während der Transitionphase formiert hat und den Arbeiterinnen und Arbeitern selbst fundamentale Arbeitsrechte verweigert.
Staatliche Massnahmen gegen die informelle Wirtschaft greifen nur in Einzelfällen und die Gewerkschaften machen zwar mit Informationskampagnen auf die Missstände aufmerksam, aber ansonsten sind ihnen die Hände gebunden. Generell werden Verbesserungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter vor allem dann erzielt wo Arbeitgeber, Staat und Gewerkschaften den Dialog suchen und gemeinsame Lösungen anstreben. Während sich in Serbien ein entsprechender Sozialdialog auf verschiedenen administrativen Ebenen etabliert hat, der von Solidar Suisse gefördert und unterstützt wird, sind entsprechende Initiativen in Bosnien weniger weit fortgeschritten und im Kosovo noch nicht lanciert. Im Allgemeinen sind Jugendliche kaum in den Prozess des Sozialdialogs eingebunden. Die Gewerkschaften, als treibende Kräfte des Sozialdialogs, räumen ihren Jugendsektionen leider nach wie vor wenig Mitsprache und Mitbestimmungsmöglichkeiten ein, was deren Enthusiasmus und Initiativgeist schmälert. Symptomatisch dafür ist, dass sich Ende 2009 im Wettbewerb von Solidar Suisse zum Thema Jugend und Arbeit ausschliesslich Jugendorganisationen, aber keine Jugendsektionen von Gewerkschaften beteiligten.
Initiativen von Jugendlichen gegen ihre missliche Lage auf dem Arbeitsmarkt stehen im Zentrum des Regionalprogramms von Solidar Suisse in Südosteuropa.
Das Programm wurde mit einem Projektwettbewerb im Herbst 2009 lanciert. Aus 30 eingereichten Projektideen aus Bosnien und Herzegowina, Serbien und Kosovo wurden fünf aus jeder Region ausgewählt und bei der Ausarbeitung und Formulierung eines 10-seitigen Projektvorschlags fachlich beraten. Am 5. Dezember 2009 ging in Pristina die Prämierung der sechs besten Projekte über die Bühne. Die sechs Gewinnerprojekte werden seither von Solidar finanziell und fachlich unterstützt. Sie beabsichtigen junge potentielle Arbeitnehmer, wie etwa Studienabgänger, besser in die Arbeitswelt zu integrieren.
2010 setzten die sechs Organisationen ihre Projekte in den Bereichen Berufsberatung, Jobvermittlung und Integration von besonders benachteiligten Jugendlichen in die Arbeitswelt erfolgreich um. 2011 und 2012 geht es darum die Projekte mit Pilotcharakter weiterzuentwickeln und in den lokalen Institutionen zu verankern. Um Erfahrungen auszutauschen, wie dies am besten zu erreichen ist, treffen sich die sechs Organisationen aus Bosnien und Herzegowina, Serbien und Kosovo regelmässig. Diese Treffen ermöglichen den jungen Aktivisten jeweils auch zusätzliche fachliche inputs. So erhielten sie anlässlich einer Studienreise Ende 2011 mit Besuchen von Lehrbetrieben, Berufsschulen, der Berufsmesse Oerlikon, des RAV in Baden oder der Berufsberatungsstelle Dielsdorf Einblick in das duale Bildungssystem der Schweiz und die Angebote für Schweizer Jugendliche auf Jobsuche.
Cyrill Rogger ist verantwortlich für das Solidar- Projekt in Südosteuropa.




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