Nicaragua
Seit bald 30 Jahren engagiert sich Solidar in Nicaragua. Solidar fördert die Rechte auf Landbesitz, Einkommen und ein Leben ohne Gewalt und setzt sich für faire Arbeitsbedingungen ein.
Nicaragua, eines der grossen zentral-amerikanischen Länder, ist in der Schweiz vor allem durch die Solidaritätsbewegung der 80er-Jahre bekannt. Während des Sandinismus nach der Zerschlagung der jahrzehntelangen Diktatur durch die Revolution (1979-1990) wurde Nicaragua wirtschaftlich boykottiert, und von Honduras her drangen die rechten Söldnertruppen der Contras ins Land ein und zwangen es in den Krieg.
1990 verloren die Sandinisten die Wahlen. In den neunziger Jahren organisierten sich viele politisch aktive Männer und Frauen in verschiedenen sozialen Organisationen, um gegen die Armut und das wachsende wirtschaftliche Gefälle anzukämpfen. Seit 2007 ist die sandinistische Partei erneut mit Daniel Ortega an der Macht und bei den Wahlen im November 2011 mit einer deutlichen Mehrheit im Amt bestätigt worden.
Widersprüchliches Bild
Die ersten vier Jahre der Regierung Ortega zeichnen ein widersprüchliches Bild: In den Bereichen Bildung, Arbeit und Landwirtschaft sind sozialpolitische Fortschritte und eine gute Zusammenarbeit mit den basisnahen Organisationen der Zivilgesellschaft (ländliche Kooperativen, Gewerkschaften) zu verzeichnen. Einer unabhängigen Studie zufolge, von der Schweiz und Holland finanziell unterstützt und von der Weltbank beratend begleitet, ist die extreme Armut im Zeitraum 2005 bis 2009 um 7,5% auf einen Wert unter 10% zurückgegangen. Die allgemeine Armut nahm demnach um 3,6% ab – von 48,3% auf 44,7%. Das Bruttoinlandprodukt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen (2010 um 4.5%) und die Regierung hat den Anteil der Ausgaben zur Armutsbekämpfung im Gesamtbudget jährlich erhöht. Andererseits klagen NGOs und kritische Journalisten über mangelnde Transparenz und die Eingrenzung zivilgesellschaftlicher Handlungsspielräume. Das absolute Abtreibungsverbot, das noch vor dem Regierungswechsel 2007 aber mit den Stimmen der sandinistischen Partei FSLN verabschiedet wurde, ist immer noch in Kraft. Auf dem Land, in den sozialen Basisorganisationen der Gemeinden ist hingegen vermehrt eine pragmatischere Zusammenarbeit verschiedener politischer Akteure bei der Bearbeitung konkreter lokaler Probleme anzutreffen.
Entwicklungshemmer Gewalt
Nicaragua zählt 5.8 Millionen EinwohnerInnen, davon sind über 40% unter 18 Jahre alt. Eine weitere Million lebt aus Kriegs- und Armutsgründen ausserhalb des Landes. Drei Viertel der armen Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten. Einem Drittel aller Haushalte steht eine alleinerziehende Mutter vor. Jede zweite Frau im Land hat schon Gewalt erlitten.
Landwirtschaft - Chance und Risiko
Die Konzentration auf wenige landwirtschaftliche Exportprodukte macht das Land stark abhängig von den Weltmarktpreisen. Im Zentralamerika-Vergleich bleibt Nicaragua, trotz der grössten Agrarfläche, der bei weitem kleinste Exporteur. Der grösste Teil der Bevölkerung sind Kleinbauern. Ihre Produktivität ist im internationalen Vergleich zu gering und vielerorts verhindern ungeklärte Landrechte Investitionen in die Zukunft.
Dennoch birgt der landwirtschaftliche Sektor Chancen für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes. Er stellt die wichtigste Einnahmequelle des Landes dar und bietet fast einen Drittel aller Arbeitsstellen.
Vielfältiges Engagement
Solidar arbeitet seit bald dreissig Jahren in Nicaragua. Es unterstützt Genossenschaften, Frauenorganisationen, Bauernverbände und Gewerkschaften in ihrem Bestreben, die Lebensbedingungen der benachteiligten Bevölkerung zu verbessern. Die Schwerpunkte des Engagements liegen in folgenden Bereichen:
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Partizipation, Demokratie, Frauenrechte: Aktive Beteiligung der Bevölkerung an politischen Prozessen und in Gremien auf Gemeindebene. Spezielle Förderung der Gleichstellung von Frauen und Jugendlichen. Bekämpfung von häuslicher Gewalt, Zugang zur Justiz und emotionaler Rehabilitation
- Würdige Arbeit: Rechtsberatungsstellen, Stärkung der Arbeitsrechte, sozialer Dialog; Förderung von würdiger Arbeit und Einkommen für KleinbäuerInnen, institutionelle Stärkung von Kooperativen.
- Humanitäre Hilfe
Anja Ibkendanz ist verantwortlich für die Solidar-Projekte in Nicaragua.






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