El Salvador

  
El Salvador, halb so gross wie die Schweiz, wird Däumling Zentralamerikas genannt. Mit seinen gut 7 Mio EinwohnerInnen ist es das am dichtesten besiedelte Land Zentralamerikas. Der Grossteil der salvadorianischen Bevölkerung hat weder eine Wasser-, noch eine ausreichende Gesundheitsversorgung.

34.1 % der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt und Zukunftsperspektiven für Jugendliche gibt es kaum. Gemäss ILO arbeiten vier von zehn Kindern zwischen 14 und 17 Jahren, vorwiegend in gefährlichen und unqualifizierten Tätigkeitsbereichen. Gewalt und fehlende Arbeitsplätze sind die meist genannten Probleme des Landes. Ein Drittel der Bevölkerung ist in den Norden (hauptsächlich in die USA) emigriert.

Nach 20 Jahren neoliberaler, konservativer Rechtsregierung hat im März 2009 ein Regierungswechsel stattgefunden. Die ehemalige Befreiungsbewegung FMLN gewann die Wahlen und stellt seither die Regierung.

 

Neuanfang - Hoffnung auf würdige Arbeit und würdiges Leben

Die Erwartungen der Bevölkerung und der Zivilgesellschaft an die neue Regierung sind hoch. Um grundlegende Verbesserungen der Lebenssituation zu erreichen, braucht es jedoch Zeit. Das Erbe der bisherigen Rechtsregierung wiegt schwer: Die nationale Produktion im Agrarbereich liegt praktisch lahm, der Staatshaushalt ist hoch verschuldet und heruntergewirtschaftet. Erste Verbesserungen sind im Gange; dies besonders in den öffentlichen Schulen, in der Gesundheitsversorgung und durch die Abgabe von Landtiteln sowie Produktionshilfe an Bauernfamilien und Kooperativen. Die Demokratisierung soll auf allen Ebenen mittels Sozialdialog, Verhandlungen und gemeinsamer Politikentwicklung vorangetrieben werden.

 

Demokratie und Mitbestimmung

Seit Beginn seines Engagements in El Salvador unterstützt Solidar soziale Organisationen in ihrer Aufbauarbeit sowie ihren Aktivitäten zur Einforderung von Mitbestimmung, sozialer Gerechtigkeit, Gleichstellung, würdiger Arbeit, Zugang zu Ressourcen und Dienstleistungen. Und dies mittels "Druck von unten", d.h. Organisationsstärkung, Weiterbildung, Unterstützung der Lobbyarbeit, Kommunikation und Vernetzung sowie Politikarbeit und Frauenförderung. Seit dem Regierungswechsel entstehen auch auf nationaler Ebene Dialog und Verhandlungen - in kleinen, aber steten Schritten. Dies bedeutet auch für Solidar eine Weiterentwicklung des Programmes, denn zusätzlich zur partizipativen Gemeindeentwicklung öffnen sich neue Wege in der Zusammenarbeit mit nationalen, staatlichen Institutionen für eine Verbesserung der Lebensbedingungen (Wasserversorgung, Ernährungssicherung, Katastrophenprävention).

 

Gemeinsam für würdige Arbeitsbedingungen und einen guten Service public

Solidar arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren mit den Partnern für die Einhaltung der Arbeits- und Gewerkschaftsrechte im ländlichen wie im städtischen Bereich, im formellen wie im informellen Sektor. 2002/03 haben die Gewerkschaften und ihre breite Allianz die Privatisierung des Gesundheitswesens verhindert.

 

Katastrophenprävention

El Salvador ist, wie ganz Zentral Amerika, zunehmend von Naturkatastrophen und Klimaschwankungen (Starkregen, Dürreperioden) betroffen. Vor allem tropische Wirbelstürme haben in den vergangenen Jahren grosse Schäden angerichtet. Oktober 2010 bis Ende Januar 2012 führte Solidar ein von der Europäischen Union ko-finanziertes Projekt zur Katastrophenprävention in der Gemeinde Zacatecoluca durch. Die lokale Bevölkerung entwickelte in enger Kooperation mit Gemeinden, Behörden und dem staatlichen Zivilschutz Notfallpläne, Notunterkünfte wurden ausgestattet und vorbeugende Massnahmen gegen Überschwemmungen und Hangrutsche ergriffen.


Inhaltliche Schwerpunkte sind:

  • Demokratie und Mitbestimmung in politischen und gesellschaftlichen Anliegen, auch für historisch marginalisierte Bevölkerungsgruppen;
  • Arbeit und Gewerkschaften: Würdige Arbeit für alle, Recht auf Organisierung, Einhaltung der Arbeitsrechte und Schaffung von Arbeitsplätzen;
  • Humanitäre Hilfe: Nothilfe nach Katastrophen mit den Solidar-Partnerorganisationen und Wiederaufbauprojekte, die die nachhaltige Entwicklung unterstützen. 

 

Anja Ibkendanz ist verantwortlich für die Solidar- Projekte in El Salvador.

 

 

Dieser Beitrag der Sendung 'mitenand' auf SF DRS gibt einen Einblick in unser Projekt 'Sauberes Wasser für alle'. Das Projekt wird unterstützt von der Stiftung Clean Water (Georg Fischer AG).