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Finanziell ein Nullsummenspiel, sozial ein Desaster


Brasilien zahlt einen hohen Preis für die Fussball-WM. Das zeigt eine Studie von Solidar Suisse: Die WM war mit 13,3 Milliarden Dollar wohl die teuerste aller Zeiten und wurde getrübt von Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen. Die Fifa hingegen wird in Brasilien wohl einen Rekordgewinn einfahren. Um dieser unseligen Entwicklung ein Ende zu setzen, fordert Solidar Suisse die Fifa auf, ihre Verantwortung als Ausrichterin der WM endlich besser wahrzunehmen.
 
Genau vor drei Monaten wurde der WM-Final zwischen Argentinien und Deutschland abgepfiffen. Verloren hat Brasilien. Dies zeigt eine Studie, die Marilene de Paula vom Heinrich Böll-Institut Brasilien im Auftrag von Solidar Suisse erstellte.
 
Die Hoffnungen waren riesig: Die WM sollte dem Land neue Arbeitsplätze, Investitionen und eine bessere Infrastruktur bringen. Bittere Realität ist: Es wurden nur temporäre Arbeitsplätze geschaffen, vornehmlich im Bau und Tourismus. Die Investitionen von Privatunternehmen blieben aus. Und die Infrastrukturprojekte v.a. im Öffentlichen Verkehr wurden zusammengestrichen.
 
Alles in allem ergibt sich ein vernichtendes Bild:
  • Brasilien richtete die teuerste WM aller Zeiten aus und investierte rund 13,3 Milliarden Dollar in die Spiele.
  • Die Schulden der Austragungsstädte stiegen um 51% (in den Nicht-WM-Städten nur um durchschnittlich 20%).
  • Der wirtschaftliche Impuls durch die WM beträgt  nur 0,7% des Bruttoinlandprodukts. Ein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel also.
  • Die Fifa-Stadien waren teuer wie nie zuvor: Ein Stadionsitz in Brasilien kostete 6230 Dollar (Deutschland 3640 $, Südafrika 3380 $). Und die WM hinterlässt dem Land vier millionenteure, nutzlose „weisse Elefanten“, d.h. Stadien, die nach der WM kaum mehr gebraucht werden.
  • Von 350‘000 StrassenhändlerInnen wurden gerade mal 4000 in die Sperrzonen rund um die Stadien eingelassen. Der Rest blieb aussen vor. Viele der Ärmsten verloren damit ihre Einnahmequelle.
  • Schätzungsweise 250‘000 Menschen wurden vertrieben und umgesiedelt. Häufig mit Gewalt und ohne Schadenersatz.
  • Viele geplante Infrastrukturprojekte wurden gestrichen – so mehr als ein Drittel der Projekte im öffentlichen Verkehr – oder erst nach der WM fertig gestellt.
  • Zu den traurigen Vermächtnissen der WM gehören auch Repression gegen die sozialen Proteste und Militarisierung.
Soweit die desaströse Bilanz. Aber es gibt auch eine Gewinnerin: Die Fifa wird in Brasilien Rekordeinnahmen von 4 bis 5 Milliarden Dollar einstreichen und kann mit einem Gewinn bis zu 3 Milliarden rechnen. Fifa-Experte Joachim Merz: „Es ist empörend, wie die Fifa erfolgreich dafür gesorgt hat, dass die Kosten beim brasilianischen Staat anfallen und sie die Profite einstreichen kann.“
 
Solidar Suisse fordert die Fifa auf, endlich Verantwortung zu übernehmen. Das heisst: Verpflichtung der WM-Länder zur Einhaltung der Menschenrechte und internationaler Arbeitsnormen, Schluss mit den Steuerprivilegien und Berücksichtigung der informell Beschäftigten.

Ausführliche Bilanz
Englische Originalversion der Studie